Prozess um tödliche Schüsse in Wisconsin Richter in Kenosha-Prozess für Spruch über asiatisches Essen kritisiert

Im Prozess um die Toten von Kenosha geht es viel um die Unterdrückung von Minderheiten. Ausgerechnet dort fällt der Richter mit einer Aussage zu asiatischem Essen auf. War die Aussage des 75-Jährigen rassistisch?
Bruce Schroeder: Wisconsins dienstältester Richter – für manche aus der Zeit gefallen

Bruce Schroeder: Wisconsins dienstältester Richter – für manche aus der Zeit gefallen

Foto: Mark Hertzberg / AP

In Wisconsin steht der Teenager Kyle Rittenhouse vor Gericht. Er soll während der »Black-Lives-Matter«-Proteste in der Stadt Kenosha im August 2020 Joseph Rosenbaum und Anthony Huber erschossen haben. In dem Prozess sorgen jedoch nicht nur die Vorwürfe gegen den Angeklagten für Schlagzeilen – sondern auch das Verhalten des Vorsitzenden Richters Bruce Schroeder.

Schroeder, 75, fiel etwa bereits damit auf, dass er seine Schwierigkeiten mit moderner Bildtechnik hat. Er ist der dienstälteste Richter im Bundesstaat Wisconsin und sprach selbst von »mangelnder Vertrautheit mit diesen Konzepten«, sodass die Staatsanwaltschaft befürchtet, Rittenhouses Anwälte könnten diese Schwäche ausnutzen, wenn sie Beweismittel vorlegten.

Zuletzt stutzten zudem einige über die Wortwahl des Richters, als dieser die Mittagspause einläutete. Mit Blick auf das bestellte Gericht und die Frage, wann die Verhandlung denn weitergehen könne, sagte er, er hoffe, dass das asiatische Essen schnell geliefert werde »und ist nicht an Bord eines dieser Schiffe im Hafen von Long Beach«.

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Schroeder versuchte damit offenbar auf die anhaltenden Probleme in den Lieferketten im globalen Handel mit Asien anzuspielen, von dem auch zahlreiche US-Häfen getroffen sind. In den USA wurde diese Äußerung in einem Prozess, in dem es um die Rechte von Minderheiten geht, jedoch von vielen als beleidigend und rassistisch aufgefasst.

Geschworener wegen vermeintlichem Witz über Schüsse auf Blake entlassen

»Das schadet unserer Gemeinschaft und bringt uns in das Fadenkreuz von Mikroaggressionen und tatsächlicher physischer Gewalt«, zitierte der Sender CNN  John Yang, Chef der Bürgerrechtsgruppe Asian Americans Advancing Justice . Er warf ihm demnach fehlendes kulturelles Fingerspitzengefühl vor.

»Jeder asiatische Amerikaner, der seine Aussage sieht oder hört, wird verstehen, dass er sich über unsere Gemeinschaft lustig macht oder sie verspottet«, wird Yang zitiert. Mae Ngai, Professorin für asiatisch-amerikanische Geschichte, sagte CNN zufolge: »Alles, was ich sagen kann, ist: uff. Alte rassistische Stereotype sind hartnäckig.«

Es ist nicht das erste Mal, dass die Wortwahl in dem Prozess von manchen als verletzend und diskriminierend wahrgenommen wurde. Erst vergangene Woche war ein Geschworener mit einem vermeintlichen Witz über die Schüsse auf den Schwarzen Jacob Blake durch die Polizei aufgefallen. Er habe eine unpassende Bemerkung über die Anzahl der Schüsse gemacht, die auf Blake abgegeben wurden, sagte Schroeder. Der Richter entließ den Geschworenen daraufhin.

Die Proteste in Kenosha waren vergangenen Sommer wegen der Schüsse auf Blake eskaliert. Blake wurde schwer verletzt und ist seitdem gelähmt. Mehrere Geschäfte wurden niedergebrannt, und es kam zu Plünderungen. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein, um die Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen.

apr/AP
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