Kevins Stiefvater "Ich bin das Schwein"

Er misshandelte seinen zweijährigen Ziehsohn und deponierte dessen Leiche im Kühlschrank. Als die Polizei eintraf, gab er sich die Schuld an Kevins Tod. So zumindest erinnert sich jetzt eine Polizistin an den Moment, in dem sie Bernd K. festnahm.


Bremen - Die Beamtin schilderte heute vor dem Bremer Landgericht, wie sie gemeinsam mit Kollegen die Wohnung des Angeklagten gestürmt hatte. K. habe, kurz nachdem die Polizisten die Leiche seines Stiefsohns im Kühlschrank gefunden und K. festgenommen hätten, auf der Fahrt ins Polizeipräsidium gesagt: Das Jugendamt treffe keine Schuld, "ich bin das Schwein." Der 42-jährige Angeklagte verweigert die Aussage. Auch am zweiten Prozesstag gab es keine Klarheit über den Todeszeitpunkt.

Angeklagter Bernd K.: Kein typischer Junkie
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Angeklagter Bernd K.: Kein typischer Junkie

Polizisten waren am 10. Oktober 2006 in die Wohnung eingedrungen, weil sie den unter der Amtsvormundschaft des Jugendamtes stehenden Jungen im Auftrag des Familiengerichts abholen und in ein Kinderheim bringen sollten. K. hatte sich schon mehrere Monate nicht mehr an Absprachen mit dem Jugendamt gehalten und falsche Angaben zu Kevins Aufenthaltsort gemacht.

Die beteiligten Polizisten berichteten heute im Prozess, die Wohnungstür sei von innen verbarrikadiert gewesen. Nach der gewaltsamen Öffnung habe Bernd K. erklärt, sein Junge sei im Mai 2006 gestorben. Zwei Beamte sagten, sie hätten dies zunächst nicht auf Kevin bezogen. Sozialarbeiter hatten den Jungen zuletzt im April bei einer Fallkonferenz im Jugendamt persönlich gesehen.

Die Rechtsmediziner konnten den genauen Todeszeitpunkt nicht bestimmen. Bei der Obduktion fanden sie 24 alte und neuere Knochenbrüche. Laut Gutachten führte ein Oberschenkelbruch zu einer tödlichen Lungenembolie. Die Verteidigung bezweifelt das und hat dazu ein weiteres Gutachten beantragt.

Ein Polizist sagte über den Angeklagten, er habe sich schon wegen seiner kräftigen Statur "von dem typischen Junkie" unterschieden.

Im Polizeigewahrsam habe er die Unterschrift unter das Festnahmeprotokoll verweigert. Grund sei nach seiner Einschätzung gewesen, dass darauf als Festnahmegrund der Verdacht des Mordes vermerkt gewesen sei. Bernd K., der zuvor ruhig und teilnahmslos gewirkt habe, habe daraufhin erstmals eine Gefühlsäußerung gezeigt und aufbrausend reagiert. Der Beamte erinnerte sich jedoch weder an den Wortlaut noch daran, ob und in welcher Form er K. über seine Rechte zur Aussageverweigerung belehrt hatte.

Die Verteidiger hatten zuvor Mängel bei der Belehrung geltend gemacht und die Verwertbarkeit der Aussagen in Frage gestellt. Das Gericht entschied jedoch, die Aussagen könnten in die Beweisaufnahme eingehen, weil sich Bernd K. ungefragt und nicht auf eine gezielte Befragung hin geäußert habe.

Bernd K. ist wegen Totschlags sowie Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft will jedoch eine Verurteilung wegen Mordes erreichen.

Zunächst sind 13 weitere Verhandlungstage bis zum 18. Januar angesetzt. Am Donnerstag soll der Prozess unter anderem mit der Aussage eines Kinderarztes fortgesetzt werden.

jdl/AP



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