Kiel 65-Jähriger gesteht fünf Frauenmorde

Die Morde liegen zum Teil Jahrzehnte zurück - nun sind sie offenbar aufgeklärt: Ein 65-Jähriger hat vor dem Landgericht Kiel gestanden, zwischen 1969 und 1984 fünf Frauen umgebracht zu haben. Ermittler waren durch DNA-Untersuchungen auf den Bruder des Mannes aufmerksam geworden.


Kiel - Dem heute 65-Jährigen werden fünf Sexualmorde an jungen Frauen zur Last gelegt. Am Mittwoch hat der mutmaßliche Serienmörder die Taten zu Beginn des Prozesses am Landgericht Kiel gestanden. In einer Erklärung seiner Verteidiger räumte er die Morde zwischen 1969 und 1984 ein.

Er könne "nur noch einmal wiederholen, dass mein damaliges Verhalten für mich bis heute unfassbar bleibt", verlas Verteidiger Horst Schumacher. Der Mann aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) bedauere das unsägliche Leid, das er Familien und Freunden der Opfer zugefügt habe.

Laut Anklage wählte der Angeklagte seine Opfern in Hamburg, Norderstedt und Quickborn zufällig aus. In vier Fällen habe er sie mit seinen Händen erwürgt. Er verging sich an drei Leichen. Sein mutmaßlich letztes Mordopfer, die 18-jährige Schwesternschülerin Gabriele S., vergewaltigte der Maurer, bevor er sie mit ihrem eigenen Schal strangulierte. So habe der Mann die Entdeckung der Vergewaltigung verhindern wollen, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Daxenberger. Die Opfer waren zwischen 15 und 22 Jahren alt.

"Ich fühle mich zurzeit überfordert, mich in der Hauptverhandlung noch einmal zu den Vorwürfen zu äußern", hieß es in der Erklärung des Angeklagten. Das Leid, das er den Angehörigen angetan habe, könne er nicht wiedergutmachen, "Ich würde mich gern aufrichtig bei den Hinterbliebenen entschuldigen, kann aber durchaus verstehen, wenn meine Entschuldigung nicht angenommen würde."

Anfang der neunziger Jahre wurde S. wegen Vergewaltigung verurteilt

Die Ermittler waren ihm erst Jahrzehnte nach den Morden durch neue DNA-Untersuchungen im Frühjahr dieses Jahres auf die Spur gekommen. Die Polizei hatte im Mordfall Gabriele S. im Herbst 2010 freiwillige Speichelproben von 150 Männern genommen, die schon 1984 befragt worden waren. Darunter war der Bruder von Hans-Jürgen S.. Seine DNA führte zu dem mutmaßlichen Täter.

Der Großvater und Vater zweier Töchter wurde im April festgenommen. In der Untersuchungshaft gestand er zunächst den Mord an Gabriele S., später auch vier weitere Morde. Die Mordkommission ermittelt außerdem gegen den Angeklagten wegen ähnlicher ungeklärter Fälle.

Der große, kräftige Angeklagte stammt aus einfachen Verhältnissen. Stockend, mit verschränkten Armen, antwortete er auf die Fragen des Vorsitzenden Richters zu seiner Person. Nach dem Hauptschulabschluss machte er eine Lehre als Maurer. Immer wieder war er arbeitslos. 1993, also nach den fünf angeklagten Morden, wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung einer Prostituierten in Hamburg zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Den wohl ersten Mord beging der Maurer im Juni 1969. Er lauerte der 22-jährigen Jutta M. an einer Bushaltestelle auf. Da war er selbst 22 Jahre alt. Wenige Wochen später tötete er laut Anklage die 16 Jahre alte Renate B. aus Norderstedt, die nach einem Diskothekenbesuch nach Hause trampte. Das dritte Opfer war die 22 Jahre alte kaufmännische Angestellte Angela B. aus Hamburg, im Oktober 1972 verschwand dann die 15-jährige Ilse G. aus Norderstedt. 1984 schließlich starb Gabriele S.

bim/dpa



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