Tödliche Schüsse in Schleswig-Holstein Zahnarzt für Dreifachmord zu lebenslanger Haft verurteilt

Er erschoss seine Ehefrau, deren Freund und einen weiteren Mann: Das Kieler Landgericht hat einen 48-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt.
Angeklagter Hartmut F. im Gerichtssaal in Kiel (März 2022)

Angeklagter Hartmut F. im Gerichtssaal in Kiel (März 2022)

Foto: Marcus Brandt / dpa

Im Dreifachmord-Prozess gegen einen Zahnarzt aus Westensee in Schleswig-Holstein hat das Kieler Landgericht das Urteil verkündet. Es sprach den Angeklagten am Montag schuldig, seine Ehefrau und deren neuen Freund am 19. Mai 2021 in Dänischenhagen sowie kurz darauf in Kiel einen gemeinsamen Bekannten erschossen zu haben. Hartmut F. hatte die Taten im Prozess gestanden, will sie aber nicht geplant haben.

Das Gericht verurteilte den 48-Jährigen zu lebenslanger Haft. Der Vorsitzende Richter Jörg Brommann sagte in seiner Urteilsbegründung, die Kammer habe zudem die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten festgestellt. Damit ist praktisch ausgeschlossen, dass F. nach 15 Jahren vorzeitig auf Bewährung freikommt.

Staatsanwalt und Nebenkläger hatten lebenslange Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für den Angeklagten gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Totschlag. Auch sie bezweifelten nicht, dass ihr Mandant die drei Opfer erschoss, gingen aber von nicht geplanten Taten und verminderter Schuldfähigkeit aus – im Gegensatz zum psychiatrischen Gutachter.

Am Vormittag des 19. Mai 2021 feuerte der Mann fast 50 Schuss aus einer Maschinenpistole auf seine von ihm getrennt lebende Frau, als sie gerade ihren neuen Bekannten im Eingang einer Doppelhaushälfte in Dänischenhagen begrüßte. 48 Schüsse registrierten die Rechtsmediziner bei ihr – schon die ersten sollen tödlich gewesen sein. Viele durchschlugen ihren Körper und trafen den zehn Jahre älteren neuen Bekannten. Beide verbluteten am Tatort.

Nur eine halbe Stunde später starb in Kiel das dritte Opfer, ein 52 Jahre alter gemeinsamer Bekannter, durch fünf Schüsse ins Gesicht. Ihn machte der Mann laut Anklage für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich. Zeugenaussagen zufolge hatte sich die 43-jährige Mutter von vier gemeinsamen Kindern nach Seitensprüngen des Angeklagten und einer schweren Gewalttat gegen sie endgültig getrennt. Seine Forderung, die Ehe und Familie gemeinsam weiterzuführen, lehnte sie ab.

Ex-Partnerin gestalkt

Der Doppelmord in Dänischenhagen sorgte für großes Aufsehen. Nachdem Nachbarn Schussgeräusche gehört und die Polizei alarmiert hatten, entdeckten Einsatzkräfte die Leichen und lösten Großalarm aus. Zeitweise wurde das Kieler Brauereiviertel abgeriegelt, weil dort das beschriebene Fluchtfahrzeug gesehen worden sein soll. Entspannung gab es erst, als sich der Zahnarzt am Abend in Hamburg stellte und die Taten einräumte. Dort erfuhren die Beamten von ihm von dem dritten Toten.

Vor den Morden hatte F. seine Ex-Partnerin gestalkt, einen GPS-Sender an ihrem Auto platziert und den späteren Tatort ausgespäht. Eine Gewaltschutzanordnung ignorierte er. Im Internet suchte er nach Begriffen wie »lebenslang«, »Mörder« und »Schuld«. Die Frau hatte laut Zeugen Todesangst.

Den Angehörigen der Opfer sprach das Gericht mehrere Zehntausend Euro Schmerzensgeld zu. Sie reagierten nach Angaben ihrer Nebenklagevertreter erleichtert auf das Urteil. Rechtsanwalt Jan Kürschner sagte für die Witwe des in Kiel erschossenen Mannes: »Die Hinterbliebenen sind froh, dass sie mit den schrecklichen Taten abschließen können.«

wit/dpa