"Kinder brauchen uns" Hochstapler bringt preisgekrönte Hilfsorganisation ins Zwielicht

Vor wenigen Wochen bekam die Hilfsorganisation "Kinder brauchen uns" für ihr Afghanistan-Engagement noch einen Bambi. Nun gerät die Gruppe ins Zwielicht: Vorstandschef Dewender soll nach SPIEGEL-Informationen ein Hochstapler sein.

Hamburg - Die Hilfsorganisation "Kinder brauchen uns", die im Oktober in einer spektakulären Luftbrücke 59 afghanische Kinder zur Operation nach Deutschland eingeflogen hat und jüngst vor Millionen Fernsehzuschauern mit einem Bambi geehrt wurde, wird von einem Hochstapler geführt. Der Vorstandsvorsitzende Dr. h. c. Dr. oec. Markus Dewender, der den Bambi entgegennahm, trägt weder seinen Ehrendoktor noch seinen Doktor der Wirtschaftswissenschaften zu Recht.

Dewender, 41, verdankt seine Ehrendoktorwürde aus dem Jahr 2005 der Yorkshire University, die auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik firmiert und Titel verkauft.

Den Doktor der Ökonomie will Dewender im Juni 2006 an der Universität Warschau gemacht haben. Die Universität teilte nach einer durch den SPIEGEL veranlassten Überprüfung der angeblichen Doktorurkunde mit, das Dokument sei eine Fälschung.

Auch private Adoptionen rücken Dewender und die zweite Vorsitzende des Vereins, Heike Timmler, in ein ungünstiges Licht. Während der Verein bei Gasteltern strikt darauf achtet, dass keine Kinder für Adoptionen in Deutschland zurückbleiben, haben Dewender und Timmler selbst Kinder aus Afghanistan adoptiert, die nach von anderen Vereinen vermittelten Operationsaufenthalten in Deutschland zunächst heimgekehrt waren.

Zudem hat der Verein nach eigenen Angaben sehr viele afghanische Kinder nach den Klinikaufenthalten in christlichen Bekenntnisschulen in Deutschland betreuen lassen - obwohl schon der Verdacht einer Missionierung für die Arbeit westlicher Hilfsorganisationen in Afghanistan als äußerst schädlich gilt.

phw