Kinderprostitution in den USA Fahnder befreien 79 Teenager

Sie nahmen mehr als hundert mutmaßliche Zuhälter fest und befreiten 79 Teenager: Dem FBI ist in den USA ein großer Schlag gegen Kinderprostitution und Menschenhandel gelungen. Drei Tage lang führten Ermittler im ganzen Land Razzien durch.

FBI

Von Simone Utler


Washington - Sie überwachten Wohnhäuser und Restaurants, verfolgten Verdächtige mit dem Auto, stürmten Hotelzimmer und Trucks auf Rastplätzen: In den USA haben FBI und Polizei eine großangelegte Aktion gegen Kinderprostitution durchgeführt. 79 Teenager wurden befreit, mehr als hundert mutmaßliche Zuhälter festgenommen.

Drei Tage lang waren Ermittler in 57 Städten im ganzen Land im Einsatz, darunter Sacramento in Kalifornien, Atlanta in Georgia und Toledo in Ohio. Die "Operation Cross Country" dauerte von Donnerstag bis Samstag, am Montagabend stellte das FBI in seinem Hauptquartier in Washington D.C. die Ergebnisse vor.

Die Teenager, die zur Prostitution gezwungen worden waren, sind zwischen 13 und 17 Jahre alt. Es sind 77 Mädchen und zwei Jungen. Alle sind US-Bürger.

Das FBI hat Videos von Einsätzen auf seine Internetseite gestellt. Die Filmsequenzen zeigen, wie die Ermittler junge Mädchen in Hot Pants oder Leggings aus Zimmern und Trucks bringen und - meist mit Handschellen gefesselt - in Polizeiautos setzen. Die Jugendlichen kamen zunächst in die Obhut der Behörden.

"Kinderprostitution bleibt eine große Bedrohung für Teenager in den ganzen USA", sagte Kevin Perkins vom FBI. Einer der Teenager habe den Ermittlern berichtet, seit dem Alter von elf Jahren zur Prostitution gezwungen worden zu sein. Derartige Schicksale seien keine Einzelfälle, sondern Beweise für "kriminelle Geschäfte". Laut Perkins werden die Minderjährigen angelockt, meist durch soziale Netzwerke im Internet. Dann hielten die Banden die Teenager fest, indem sie mit Gewalt gegen sie oder ihre Familien drohten.

Die aktuellen Razzien sind Teil der großangelegten Initiative "Innocence Lost", die 2003 von FBI, Justizministerium und dem Nationalen Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (NCMEC) gegründet wurde. 47 Sonderkommandos sind im Einsatz, seit 2008 hat es bisher fünf landesweite Aktionen gegeben. Bis heute konnten laut FBI allein bei diesen Aktionen etwa 2200 Kinder und Jugendliche befreit werden. Mehr als tausend Zuhälter und deren Komplizen wurden verurteilt.

"Jeder kann ein Zuhälter sein, egal ob weiß, schwarz, Hispano, lila oder grün", sagte Dan Steele von der Polizei Denver dem TV-Sender ABC. Ein Fernsehteam hatte die Polizei von Denver bei dem Einsatz im Rahmen von "Cross Country" begleitet. Hier wurde unter anderem ein Mann festgenommen, der als Zuhälter einer 19-Jährigen und einer 20-Jährigen galt. Dem Sender zufolge werden viele Mädchen im Alter von zwölf Jahren das erste Mal zur Prostitution gezwungen.

Die Einsatzkommandos beobachten einschlägig bekannte Orte wie Lkw-Parkplätze, Casinos oder bestimmte Straßen und checken das Internet. Wird bei diesen Ermittlungen jemand festgenommen, erhalten die Ermittler manchmal Hinweise auf organisierte Kriminalität.

"Kinderprostitution und Menschenhandel kommen nicht nur am anderen Ende der Welt vor", sagte der NCMEC-Vorsitzende Ernie Allen. "Diese hinterhältigen Verbrechen passieren in amerikanischen Städten, und die Opfer sind amerikanische Kinder." Allens Schätzungen zufolge werden in den USA jedes Jahr 100.000 Minderjährige Opfer von Kinderprostitution und Menschenhandel.



insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
dragbert 26.06.2012
1. Bild - Text, Text - Bild
Das ist schön: die "befreiten Opfer" in Handschellen. Schönes Bild, wirklich, so stell ich mir die USA eigentlich schon immer vor und dachte, ich hab Vorurteile :-)
jenzy 26.06.2012
2.
Zitat von dragbertDas ist schön: die "befreiten Opfer" in Handschellen. Schönes Bild, wirklich, so stell ich mir die USA eigentlich schon immer vor und dachte, ich hab Vorurteile :-)
ist bestimmt nur zu deren schutz. somit muss keiner der cops um seine sicherheit fürchten und die jugendlichen präventiv schlagen oder tasern.
energyturnaround 26.06.2012
3. Opfer in Handschellen?
Das ist schon "schön" wenn Gefangene zu neuen Gefangenen werden. Gerade befreit wird man gleich wieder eingesperrt. Ist das das amerikanische Rechtssystem?
Nephilim 26.06.2012
4.
Zitat von dragbertDas ist schön: die "befreiten Opfer" in Handschellen. Schönes Bild, wirklich, so stell ich mir die USA eigentlich schon immer vor und dachte, ich hab Vorurteile :-)
Na schließlich haben die sich der Prostitution schuldig gemacht. Da muss man schon mal etwas härter durchgreifen. Eigentlich schon ein Wunder, dass die Polizisten dort die Jugendlichen nicht getazert oder mit Schlagstöcken bearbeitet haben, denn einige der Kids rannten ja sicher hilfesuchend auf die Polizisten zu, und man kann nie vorsichtig genug sein. Wenn es nicht so traurig wäre...
kittekatz 26.06.2012
5.
Prostitution ist nicht überall legal. Und nach amerikanischem Rechtsverdreher-Verständnis ist man auch schuldig wenn man zu einem Verbrechen gezwungen oder hineingedrängt wurde. Über so etwas wie unsere Querelen um das erste NPD-Verbot lachen die Amis nur, das scheiterte weil V-Leute zu Straftaten wie Volksverhetzunganstachelten und diese daher nicht mehr gegen die NPD gewertet werden konnten. Stattdessen gab und gibt es in Amerika Kampagnen, bei der die Polizei Drogen verkauft oder Prostitution anbietet und jeden, der auf das "Geschäft" einwilligt direkt abführen. Dass nun die Opfer hier ultimativ als Täter dastehen ist nur folgerichtig. Recht bedeutet eben nirgendwo gleich Gerechtigkeit
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