Kindesmissbrauch Gericht verurteilt Sektenguru Shanti zu langer Haftstrafe

Oliver Shanti muss für sechs Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Das Münchner Landgericht verurteilte den Sektenguru wegen sexuellen Missbrauchs in 76 Fällen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine höhere Strafe gefordert.


München - Im Prozess gegen Oliver Shanti ist das Urteil gefallen: Der Sektenguru wurde vom Münchner Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs von vier Jungen in 76 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt. Im Fall von zwei Mädchen hielt die Strafkammer die Beweislage dagegen für nicht ausreichend, in diesem Punkt wurde Shanti freigesprochen.

Den Missbrauch der Mädchen hatte der 61-Jährige unter Hinweis auf seine Homosexualität bis zuletzt bestritten. Die Staatsanwaltschaft hatte achteinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung vier Jahre. Shanti bat in seinem Schlusswort um "Barmherzigkeit".

Gegen den Musiker und Führer einer spirituellen Gemeinschaft wurde seit August wegen Missbrauchs in 314 Fällen in den Jahren 1985 bis 1998 verhandelt. Shanti nahm an dem Prozess in einer Glasbox teil, bekleidet mit einem Schutzanzug. Der krebskranke Angeklagte hatte sich im Krankenhaus den behandlungsresistenten MRSA-Keim zugezogen.

Shanti hatte nach anfänglichem Leugnen den Missbrauch der Jungen eingeräumt. Strafmildernd habe sich ausgewirkt, dass der Angeklagte "wirtschaftlich und sozial zugrundegerichtet ist", wie es in dem Urteil heißt.

Zulasten des Angeklagten wertete das Gericht die Dauer und Vielzahl der Übergriffe. Die Opfer seien auf Shantis portugiesischer Finca schutzlos gewesen. Sie hätten sich nicht an ihre Eltern wenden können, die wirtschaftlich von dem Angeklagten abhängig waren und ihnen wohl nicht geglaubt hätten.

"Die Eltern müssen damit leben, dass sie zu blauäugig waren", sagte der Richter. Auch die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer von einem "großen, großen Mitverschulden Dritter gesprochen". Nicht nur der Angeklagte habe Schuld auf sich geladen, sondern auch die Eltern der missbrauchten Kinder.

hut/dpa



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