Kindesmissbrauch Sektenguru Oliver Shanti legt Teilgeständnis ab

Wende im Fall Oliver Shanti: Nach wochenlangem Leugnen hat der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Esoterik-Musiker überraschend ein Teilgeständnis abgelegt. Er gab Übergriffe auf vier Jungen zu.

Oliver Shanti vor Gericht in München: "Das glaube ich ihm nicht"
DPA

Oliver Shanti vor Gericht in München: "Das glaube ich ihm nicht"


München - Der des hundertfachen Kindesmissbrauchs angeklagte Esoterik-Musiker Oliver Shanti hat überraschend ein Teilgeständnis abgelegt. Der 60-Jährige räumte am Donnerstag in einer von seinen Anwälten abgegebenen Erklärung Übergriffe auf vier Jungen ein. Den Vorwurf, sich auch an zwei Mädchen vergangen zu haben, weist Shanti dagegen nach wie vor zurück.

Shanti betonte erneut, er sei homosexuell und interessiere sich nicht für Mädchen oder Frauen. "Das glaube ich ihm nicht", sagte jedoch Oberstaatsanwältin Christine Schäfer. Gegen Shanti wird seit gut zwei Monaten wegen Missbrauchs von sechs Kindern in insgesamt 314 Fällen verhandelt.

Mit einem Geständnis hatten nur die wenigsten gerechnet: Zu Beginn des Prozesses hatte Shanti sich noch als Opfer eines Komplotts dargestellt. Laut seinem Anwalt drückte der Angeklagte in der nun abgegebenen Erklärung tiefe Scham und Bedauern aus. Was er getan habe, tue ihm leid.

Im Vorfeld des Teilgeständnisses hatte es Absprachen gegeben, wonach die Strafe im Falle eines vollständigen Geständnisses nicht über sieben Jahre Haft hinausgehen soll. Dies sei aber hinfällig, da Shanti nur einen Teil der Vorwürfe eingeräumt habe, sagte Staatsanwaltschaftssprecherin Barbara Stockinger. Das Urteil könnte nun bereits am 4. Dezember fallen.

Erst am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Shanti vergangene Woche einen Selbstmordversuch im Gefängnis unternommen hatte. Er hatte Tabletten geschluckt und war in einem lebensgefährlichen Zustand ins Krankenhaus gebracht worden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Shanti seit den siebziger Jahren eine Gruppe von Anhängern um sich geschart hat, die ihn als Guru und geistigen Führer ansahen. Mit ihnen lebte er zunächst in Viechtach im Bayerischen Wald und in München. Mitte der achtziger Jahre entstand eine neue Kommune auf einer portugiesischen Finca.

Shanti bestreitet, ein Guru oder Sektenführer zu sein. Jeder in der Gruppierung habe geglaubt, was er gewollt habe. Nach Angaben seines Anwalts ist die "Shanti-Familie" eher mit der Kelly-Family vergleichbar gewesen.

mas/AP/dpa



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