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23. September 2014, 22:06 Uhr

Vorwurf des Kindesmissbrauchs

Vatikan stellt ehemaligen Erzbischof unter Hausarrest

Die katholische Kirche hat einen ehemaligen Erzbischof angeklagt. Dem Polen Josef Wesolowski wird sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Gleich zu Beginn des Prozesses wurde eine erste Strafe verhängt.

Vatikanstadt - Der Vatikan hat einen seiner ehemaligen Erzbischöfe unter Hausarrest gestellt. Dem aus Polen stammenden Geistlichen Josef Wesolowski wird vorgeworfen, in der Karibik Jungen sexuell missbraucht zu haben, wie die katholische Kirche mitteilte. Bei der ersten Anhörung vor dem Strafgericht des Vatikans ordnete der Richter nun an, dass der Beschuldigte seine Bleibe in Vatikansstadt nicht mehr verlassen dürfe.

Bei der Anhörung hat Wesolowski den Angaben zufolge Dokumente vorgelegt, nach denen er gesundheitlich angeschlagen sein soll. Deshalb sei vorerst nur ein Hausarrest und keine echte Haftstrafe verhängt worden, teilte der Vatikan mit. Derzeit lebe Wesolowski in einem Appartement, das speziell für kranke Menschen ausgestattet sei. Dennoch droht dem ehemaligen Erzbischof immer noch das Gefängnis, sollte er vom Gericht schuldig gesprochen werden.

Der Fall Josef Wesolowski war vor gut einem Jahr bekannt geworden. Damals hatten Polizei und Staatsanwaltschaft in der Dominikanischen Republik wegen des Vorwurfs der Pädophilie gegen den Geistlichen ermittelt, der dort als päpstlicher Gesandter arbeitete. Kurz darauf wurde Wesolowski von diesem Amt abberufen. Im Juni hatte ihn dann das Vatikanische Kirchengericht schuldig gesprochen, der Gesandte wurde seines Amtes enthoben.

In dem jetzigen Verfahren geht es um die strafrechtliche Relevanz des Falls. Erst im vergangenen Jahr hatte Papst Franziskus eine Gesetzesnovelle veranlasst, nach der Kindesmissbrauch im Vatikan erstmals unter Strafe steht - diese Regelung gilt für Angestellte des Kirchenstaats sowie für päpstliche Vertreter im Ausland. Ohne diese Regelung wäre Wesolowski wohl straffrei davon gekommen. Denn Wesolowski genoss in der Dominikanischen Republik Diplomatenstatus - nur der Vatikan kann ihn wegen seiner mutmaßlichen Vergehen belangen.

jbe/AP/Reuters

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