Kindesmisshandlung mit Todesfolge Kevins Ziehvater zu zehn Jahren Haft verurteilt

Misshandelt, gequält und wohl zu Tode geprügelt: Kevin aus Bremen, dessen Leiche die Polizei in einem Kühlschrank fand, starb an den Folgen schwerer Knochenbrüche. Nun hat das Landgericht den Ziehvater des Jungen wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.


Bremen - Die Strafkammer sprach Bernd K. auch wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, aber erst nach drei Jahren verbüßter Haft. Die Leiche von Kevin war im Oktober 2006 im Kühlschrank des Drogensüchtigen gefunden worden.

Kevins Ziehvater Bernd K.: Zehn Jahre ins Gefängnis
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Kevins Ziehvater Bernd K.: Zehn Jahre ins Gefängnis

Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Verurteilung wegen Mordes und eine Haftstrafe von 13 Jahren plädiert. Strafmildernd hatte die Anklage gewertet, dass der Mann wegen seiner Drogensucht zur Tatzeit möglicherweise vermindert schuldfähig war. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung wegen Körperverletzung, maximal wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert. Ein Strafmaß hatte sie nicht genannt.

Das Schicksal des Jungen hatte bundesweit für Erschütterung und Entsetzen gesorgt. Fahnder hatten die Leiche des Zweijährigen eingewickelt in Decken und Müllsäcke in K.s Kühlschrank entdeckt.

Zu diesem Zeitpunkt war Kevin, der unter der Obhut des Staates stand, vermutlich schon Monate tot. Bei der Obduktion der Leiche waren rund zwei Dutzend Brüche festgestellt worden. Untersuchungen hatten massive Fehler bei den Sozialbehörden der Hansestadt ergeben.

"Das Schicksal des kleinen Kevin hat die ganze Stadt fassungslos gemacht", sagte Bürgermeister Jens Böhrnsen am Mittwoch. "Wir unternehmen alles Menschenmögliche, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann." Böhrnsen persönlich war im Januar 2006 von Mitarbeitern eines Kinderheims auf die Sorgen um Kevin angesprochen worden. Er hatte daraufhin Sozialsenatorin Karin Röpke gebeten, sich des Falls anzunehmen.

Wenige Stunden vor der Verkündung des Urteils für den Ziehvater Bernd K. sagte der Bürgermeister in einem NDR-Interview: "Kevin stand unter Amtsvormundschaft, das heißt, der Staat war zur Fürsorge für Kevin verpflichtet, und er hat versagt mit seinen Behörden und Ämtern, im Schutz Kevins vor den Gewalttätigkeiten des Vaters."

Zu den Konsequenzen aus dem Fall sagte der SPD-Politiker: "Wir haben ein Kinder- und Jugendschutztelefon eingerichtet, das rund um die Uhr erreichbar ist. Wir haben einen Kriseninterventionsdienst geschaffen, wir haben in Bremen verbindliche Vorsorgeuntersuchungen eingeführt, wir haben ein Elternbesuchsprogramm eingesetzt und wir haben ein Familien-Hebammen-Programm, Programme zur Elternbildung und vieles mehr. Uns geht es mit all diesen Maßnahmen darum, dass wir ein Netzwerk der Fürsorge schaffen, um unsere Kinder zu schützen."

Am Kinder- und Jugendschutztelefon, das im Februar 2007 eingerichtet wurde, meldeten sich bis April 2008 insgesamt 1125 besorgte Anrufer. In rund 30 Prozent der Fälle musste das Jugendamt sofort einschreiten, manchmal gemeinsam mit der Polizei. Zeitweilig schwoll auch die Zahl der Heimunterbringungen deutlich an.

jdl/dpa/AP

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