Kindsmörder Gäfgen lehnt Gericht als befangen ab

Er ist ein verurteilter Kindsmörder und klagt auf Schmerzensgeld. Doch wenige Tage vor der Urteilsverkündung hat Magnus Gäfgen einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Kammer gestellt. Das könnte den Zeitplan erneut durcheinanderbringen.
Kindsmörder Magnus Gäfgen: Befangenheitsantrag gegen Kammer

Kindsmörder Magnus Gäfgen: Befangenheitsantrag gegen Kammer

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die Urteilsverkündung im Prozess um Schmerzensgeldforderungen des Kindsmörders Magnus Gäfgen droht zu platzen. Gäfgen hat einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Kammer gestellt. Ein entsprechender Schriftsatz sei am Montagabend beim Frankfurter Landgericht eingegangen, sagte ein Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der " Frankfurter Rundschau".

Eine andere Kammer des Gerichts muss nun über den Antrag entscheiden. Dem Sprecher zufolge ist nicht klar, ob die für kommenden Donnerstag angesetzte Urteilsverkündung dadurch erneut verschoben werden müsse. Der Termin war zuvor bereits zweimal verlegt werden.

Gäfgen wurde wegen des Mordes an einem elfjährigen Bankierssohn zu lebenslanger Haft verurteilt. In dem neuen Verfahren verlangt er Schmerzensgeld vom Land Hessen, weil ihm nach seiner Festnahme im Jahr 2002 ein Polizeibeamter körperliche Gewalt angedroht hatte, um das Versteck des entführten Jungen zu erfahren.

Gäfgen-Anwalt kritisiert Gericht

Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer sagte der Zeitung, dem Gericht seien noch umfangreiche Schriftsätze und Hinweise auf Verfahrensfehler vorgelegt worden. Zudem sei die Vernehmung des früheren Staatssekretärs Udo Corts und des damaligen Chefs des Landeskriminalamts, Norbert Nedela, beantragt. Dennoch habe das Gericht bereits einen Tag nach Erhalt der letzten Anträge der Presse mitgeteilt, dass ohne weitere Beweiserhebung am 4. August das Urteil verkündet werde. "Das ist sehr ungewöhnlich und auch merkwürdig", sagte Heuchemer dem Blatt.

Gäfgen begründet seine Schmerzensgeldforderung zum einen mit psychischen Schäden, die er durch die Gewaltandrohung erlitten haben will. Zum anderen habe der Polizist ihn auch geschubst und geschlagen, was dieser in dem Prozess aber entschieden bestritt. Wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage hatte Gäfgen in der vergangenen Woche Strafanzeige gegen den ehemaligen Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, und einen Polizeibeamten erstattet.

wit/dapd/AFP