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21. Juni 2016, 08:09 Uhr

Wegen Kindstötung angeklagte Mutter

"Es war Hexerei"

Sie soll ihre 15 Monate alte Tochter im eiskalten Meer abgelegt haben, um sie zu töten: Als Grund gibt die tatverdächtige Mutter an, sie sei verhext worden. Anders könne man die Tat nicht erklären.

Am 19. November 2013 fuhr Fabienne K. von Paris ins nordfranzösische Berck-sur-Mer. Mit ihrer 15 Monate alten Tochter Adélaïde mietete sie sich in einem Hotel ein, erkundigte sich nach den Tidenzeiten und begab sich gegen 21.40 Uhr mit dem Säugling an den Strand.

Sie stillte die Tochter ein letztes Mal und legte sie dann in das etwa 13 Grad kalte Wasser. "Sie sah aus, als würde sie schlafen, sie war ganz brav, ich habe sie um Verzeihung gebeten", sagte die Angeklagte laut "Le Monde" bei der polizeilichen Vernehmung. "Ich glaube, es ging ihr gut. Sie spürte die Gefahr nicht." Sie habe sich neben Adélaïde gekniet und zugelassen, dass die Wellen ihr Kind wegtrugen. Dann sei sie weggerannt. Einen Tag später entdeckte ein Krabbenfischer die Leiche des kleinen Mädchens.

Am Montag begann vor dem Schwurgericht im französischen Saint-Omer nahe Calais der Prozess gegen K. Was trieb die Mutter zu der Tat? In französischen Medienberichten wird die gebürtige Senegalesin einhellig als überdurchschnittlich klug beschrieben, sie habe einen Intelligenzquotienten von 135. K. sei 1995 nach Frankreich gekommen und habe Philosophie studiert. Dann habe sie sich in einen 30 Jahre älteren Bildhauer verliebt und sei von ihm schwanger geworden.

Zweimal habe sie abgetrieben, dann sei Adélaïde zur Welt gekommen, heimlich habe sie entbunden, im Atelier des Künstlers. Sie habe weder einen Arzt zu Rate gezogen, noch eine Geburtsurkunde ausstellen lassen, sagte die Angeklagte der Polizei. Der Kindsvater habe wenig Interesse gezeigt.

Allerdings habe sie Stimmen gehört, die sie verfolgt hätten. "Böse Mächte" hätten sie letztlich dazu gebracht, die Tochter zu töten. "Es war Hexerei, das ist meine Erklärung, weil ich sonst keine andere habe." Viele Jahre lang habe sie beim Aufwachen Wahnvorstellungen gehabt. "Meine Füße waren gelähmt. Ich hatte Halluzinationen, die Wände haben die ganze Zeit gewackelt." Die zwei Jahre, die dem Tod der Tochter vorausgingen, seien "die schlimmsten meines Lebens gewesen".

Welcher Art die psychische Störung sein könnte, unter der die Angeklagte mutmaßlich leidet, ist noch nicht klar. Ein Gerichtsgutachter sprach davon, es könne sich um einen schweren Fall von postnataler Depression handeln.

Vor dem Schwurgericht in Saint-Omer muss sich K. jetzt wegen Mordes verantworten. Es sind fünf Verhandlungstage angesetzt.

ala

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