Aurora-Morde Psychiaterin soll vor Kino-Attentäter gewarnt haben

Die frühere Psychiaterin des mutmaßlichen Kino-Schützen von Aurora soll die Universität von Colorado vor ihrem Patienten gewarnt haben. Das berichten US-Medien. Doch die Uni habe nicht reagiert - offenbar aus einem recht banalen Grund.

Mutmaßlicher Kino-Mörder Holmes auf der Anklagebank: Auffälliger Geisteszustand
AFP

Mutmaßlicher Kino-Mörder Holmes auf der Anklagebank: Auffälliger Geisteszustand


Hamburg - Die Ex-Psychiaterin des angeklagten Attentäters von Aurora hat bereits sechs Wochen vor dem Blutbad schwere Bedenken über das Verhalten ihres Patienten geäußert. Das berichteten das Lokalblatt "Denver Post" und der Sender KMGH übereinstimmend. Demnach soll Lynne Fenton Anfang Juni ein Team zur Einschätzung von Gefahren an der Universität von Colorado informiert haben: Der Geisteszustand des 24-Jährigen sei äußerst auffällig, warnte sie den Angaben zufolge. Trotz der Beunruhigung der Ärztin habe die Universität nichts unternommen, da sie davon ausgegangen sei, dass Holmes zu diesem Zeitpunkt bereits sein Studium abbrechen wollte.

Noch ist unklar, worüber genau Lynne Fenton mit den Mitgliedern der Sicherheitsgruppe sprach und wie ausdrücklich ihre Warnungen waren. Der Leiter der Universität Don Elliman sagte der Regionalzeitung "Daily Camera" zufolge am Mittwoch: "Ich glaube, solange es nicht anders bewiesen wird, dass unsere Leute getan haben, was getan werden musste."

Zudem soll Holmes seiner Psychiaterin, die auf Schizophrenie und andere psychische Erkrankungen spezialisiert ist, einen Notizblock geschickt haben. Darin hatte der Student der Neurowissenschaften in Zeichnungen und Illustrationen das Massaker skizziert. Über den Übergabezeitpunkt des Dokuments wird derzeit noch spekuliert. Der US-Sender Fox News berichtete, dass das Buch eine Woche vor der Tat bei Lynne Fenton gelandet war. Die Universität Colorado gab hingegen an, dass die Notizen erst drei Tage nach dem Attentat entdeckt und unmittelbar an die Behörden weitergegeben wurden.

James Holmes wird beschuldigt, in der Nacht zum 20. Juli in einem Kino in Aurora nahe Denver während der Premiere des neuen "Batman"-Films zwölf Menschen erschossen und 58 weitere verletzt zu haben. Am Montag war er wegen Mordes angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft legt ihm insgesamt 142 Anklagepunkte zur Last, darunter auch Mord in 24 Fällen und Sprengstoffbesitz. Mit einer Eröffnung des Prozesses wird nicht vor September gerechnet. Im Zentrum des Verfahrens steht Experten zufolge die Frage, ob Holmes zurechnungsfähig ist.

fhu/AFP/dpa



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