Tötungsdelikt in Kitzbühel Bürgermeister "schockiert und in tiefer Trauer"

Ein 25-Jähriger hat in Österreich offenbar seine Ex-Freundin, ihre Familie und ihren neuen Freund erschossen. Kitzbühel steht unter Schock, der Bürgermeister sagt: Beide Familien waren im Ort angesehen.

Kerstin Joensson/AP

Nachdem ein Mann nach Polizeiangaben im österreichischen Kitzbühel fünf Menschen erschossen hat, hat der Bürgermeister des Nobel-Skiortes als Zeichen der Trauer eine schwarze Fahne am Rathaus aufgezogen. "Wir sind alle schockiert und in tiefer Trauer", sagte Bürgermeister Klaus Winkler.

Ein 25-Jähriger hat laut Polizei gestanden, seine 19-jährige Ex-Freundin, deren Eltern und Bruder sowie ihren neuen Freund erschossen zu haben. Winkler sagte: "Das ist noch nie da gewesen, dass eine ganze Familie so tragisch ausgelöscht wurde."

Die Familie des Opfers, aber auch die Familie des Tatverdächtigen seien im Ort angesehen gewesen, sagte Winkler. Auch der Arbeitgeber der 19-Jährigen sei zutiefst erschüttert. "Sie war ein besonders fleißiges Mädel, alle sind fassungslos", sagte der Bürgermeister.

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Die 19-Jährige hatte die Beziehung laut Polizeiangaben zwei Monate zuvor beendet. Der Tat sei ein Streit zwischen den beiden ehemaligen Partnern in einem Lokal in Kitzbühel vorausgegangen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts. In der Nacht zum Sonntag habe der 25-Jährige dann an der Tür des Elternhauses seiner Ex-Freundin geklopft. Der Vater habe geöffnet und den jungen Mann abgewiesen.

Verdächtiger brach über Balkon in Einliegerwohnung ein

Der 25-Jährige sei daraufhin nach Hause gegangen und habe eine Schusswaffe geholt, sagte LKA-Sprecher Walter Pupp. Nach dem erneuten Eintreffen an dem Haus habe er die Eltern der Ex-Freundin sowie deren Bruder getötet. Der Tatverdächtige habe das Haus gut gekannt, da er einige Monate selbst dort gemeldet gewesen sei und gelebt habe.

Der Tatort wird derzeit untersucht
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Der Tatort wird derzeit untersucht

Die 19-Jährige war jedoch in einer verschlossenen Einliegerwohnung, zu der sich der 25-Jährige über den Balkon Zutritt verschaffte. Dort erschoss er die junge Frau und ihren neuen Freund. Im Anschluss sei der Verdächtige zur örtlichen Polizeiwache gegangen und habe sich gestellt. Er habe dort eine Pistole sowie ein Messer auf den Tresen gelegt und gesagt: "Ich habe soeben fünf Personen ermordet". Eine Obduktion soll nun die genaue Todesursache der Opfer sowie die Rolle des Messers klären.

Was über den Verdächtigen bekannt ist

Der 25-jährige Tatverdächtige hat laut Polizeiangaben "keine unmittelbare polizeiliche Vorgeschichte" gehabt und aus Eifersucht gehandelt. Er sei vor vielen Jahren in Kontakt mit der Polizei gekommen, dabei habe es sich um "kleinere Delikte" gehandelt. Der Mann würde als "ruhiger Mensch" beschrieben.

Die Pistole gehört laut Polizei dem Bruder des Tatverdächtigen, der sie legal besessen und in einem Tresor verwahrt habe. Wie genau der 25-Jährige an die Waffe in dem Tresor gekommen sein soll, sei unklar. Der Bruder befindet sich derzeit offenbar im Ausland.

Nach Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) versucht in Deutschland im Durchschnitt fast jeden Tag ein Mann, seine Frau oder Ex-Partnerin umzubringen. 2018 wurden bundesweit 123 Frauen von ihren Lebensgefährten oder Ex-Männern getötet, hinzu kamen 208 Mord- beziehungsweise Totschlagsversuche in Partnerschaften.

Weltweit wurden im Jahr 2017 einer UN-Studie zufolge 87.000 Frauen getötet, davon 50.000 von ihrem Partner oder von Familienangehörigen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benutzt den Begriff Femizid, wenn von Morden an Frauen die Rede ist, weil sie Frauen sind.

kko/dpa



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