Klatten-Prozess Sgarbis Anwalt geht in Revision

Nach dem Blitz-Prozess will der Erpresser von Milliardärin Susanne Klatten das Urteil nicht annehmen: Helg Sgarbis Verteidiger hat angekündigt, Revision einzulegen - und nicht ausgeschlossen, dass der Schweizer bald ein Buch schreibt.


München - Der Anwalt des Erpressers von Milliardärin Susanne Klatten will Revision einlegen: "Ich lege Rechtsmittel ein, weil ich davon ausgehe, dass es die Staatsanwaltschaft auch macht. Zurücknehmen kann man immer wieder", sagte Anwalt Egon Geis am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft prüfte derweil noch eine Revision.

Der 44-jährige Schweizer Helg Sgarbi war am Montag in München zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil lautete auf gewerbsmäßigen Betrug und versuchte gewerbsmäßige Erpressung. Für Sgarbi ist die strafrechtliche Seite noch nicht endgültig abgeschlossen. Er gelte auch in Italien noch als Beschuldigter, bestätigte sein Anwalt.

Nach den Worten seines Anwalts habe Sgarbi bereits Angebote sowohl für ein Buch als auch für eine Verfilmung seiner Geschichte erhalten. Bisher hätten sie alles abgelehnt, sagte Geis . "Wir haben gesagt, erst mal der Prozess." Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Sgarbi ein solches Angebot annehmen werde. Man werde in Ruhe darüber nachdenken. Er werde den 44-jährigen Schweizer auch in dieser Sache beraten.

Sgarbis Komplize Ernano Barretta muss sich am 24. März im mittelitalienischen Pescara wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht verantworten. Er war im Juni 2008 unter dem Verdacht festgenommen worden, der Kopf einer Organisation von Betrügern zu sein, die mit dem Schweizer Sgarbi zusammengearbeitet haben soll. Ende Februar war der Italiener nach achtmonatiger U-Haft wieder freigekommen. Er schweigt bislang beharrlich.

Ihm wird auch vorgeworfen, unter anderem eine Romanze Sgarbis mit Klatten gefilmt zu haben. Mit den intimen Videos hatte Sgarbi versucht, weiteres Geld von der Quandt-Erbin zu erpressen.

Sgarbi war am Montag vom Landgericht München I in einem Blitz-Prozess zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde des gewerbsmäßigen Betrugs und der versuchten gewerbsmäßigen Erpressung schuldig gesprochen.

Laut Beweislage soll Guru Barretta seinen Jünger Sgarbi zum Abschöpfen der reichen Damen regelrecht getrieben haben. Barretta hatte die Namen, Telefonnummern und Summen in jedem Betrugsfall in seiner Sakkotasche, auf seinem Grund und Boden waren 1,8 Millionen Euro, die vermutlich aus der Beute stammen, versteckt.

jjc/dpa

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