Prozess in Kleve Frau soll Mord an Ex-Mann in Auftrag gegeben haben
Angeklagte mit ihrem Verteidiger: Schwere Vorwürfe gegen die 51-Jährige
Foto: Roberto Pfeil / dpaIm Fall des sogenannten Stückel-Mords an einem Schneider in Moers hat vor dem Landgericht Kleve der Prozess gegen die Ex-Frau des Opfers begonnen. Die 51-Jährige schwieg. Das werde sich sehr wahrscheinlich auch im weiteren Prozessverlauf nicht ändern, sagte ihr Anwalt.
Die 51-jährige Angeklagte wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Sie sitzt seit Ende Februar vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Der Türkin wird vorgeworfen, den Mord an ihrem 56 Jahre alten Ex-Mann in Auftrag gegeben zu haben. Sie soll einen erheblichen Teil der Beute kassiert und an der Beseitigung der Leiche mitgewirkt haben, sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage. Der Vorwurf laute auf Mord aus Habgier. Der Mann führte eine Schneiderei, auch die Angeklagte gab als Beruf Schneiderin an.
Mörder bereits verurteilt
Die Beute bestand nach Gerichtsangaben aus rund 18.000 Euro Bargeld und Goldschmuck im Wert von mindestens 5000 Euro. Den Schmuck hatte das Opfer in einem Säckchen im Lüftungsschacht des Badezimmers versteckt. Der mutmaßliche Mörder soll das Opfer genötigt haben, dieses Versteck zu verraten. Dann soll er die vorher eigens besorgte Pistole gezogen und den 56-Jährigen mit zwei Schüssen getötet haben, darunter einem Genickschuss, hieß es in der Anklage.
Laut Anklage hatte die Frau angegeben, ihr Ex-Mann habe ihren Goldschmuck nach dem Scheitern der Ehe zu Unrecht an sich genommen.
Der bereits im Oktober 2023 zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder war ein Freund des Opfers. Der heute 50 Jahre alte Mann soll nach Überzeugung des Gerichts nach dem Mord die Leiche zerteilt und die Leichenteile im Wald vergraben haben. Seine Verurteilung ist noch nicht rechtskräftig.
Getöteter galt zunächst als vermisst
Vor Gericht wurden am Donnerstag Kaufbelege aus einem örtlichen Baumarkt über eine »Metallsäge 300 Millimeter«, Winkel- und Trennschleifer verlesen, die nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft möglicherweise beim Zerteilen der Leiche benutzt worden sind. Verlesen wurde auch ein Aushang an der Schneiderei des Opfers nach seinem Tod, nach dem der Inhaber angeblich für einige Wochen »kurzfristig in der Schweiz« sei – möglicherweise zum Verdecken der Tat.
Inwieweit die Ex-Frau an der Beseitigung der Leiche mitgewirkt hat, ist nicht klar. Das müsse der Fortgang des Prozesses zeigen, sagte der Gerichtssprecher. Der Tote war 2022 zunächst als vermisst gemeldet worden. Als gut zwei Wochen nach seinem Verschwinden seine Wohnung in Brand gesteckt wurde, hatte die Polizei intensive Ermittlungen aufgenommen.