Knast nach Urlaubsflirt "Ich schubste ihn weg"

Marco Weiss sitzt in einem türkischen Gefängnis, weil er eine 13-Jährige missbraucht haben soll. Der 17-Jährige streitet die Vorwürfe ab. Nun werden die Anschuldigungen des Mädchens bekannt - und die Äußerung eines Anwalts sorgt für Verwirrung.


Hamburg - In dem Aussageprotokoll der 13-jährigen Charlotte aus Manchester wird das Mädchen als "Geschädigte" und Marco Weiss als "Beschuldigter" geführt, berichtet die "Bild"-Zeitung. Dem Blatt liegt nach eigenen Angaben die Aussage des Mädchens vor.

Inhaftierter Marco Weiss: "Da fühlte ich den Beschuldigten auf mir"
DDP

Inhaftierter Marco Weiss: "Da fühlte ich den Beschuldigten auf mir"

Die Schülerin habe angegeben, dass sie Marco Weiss am Tag der Tat in einer Disco der Ferienanlage im türkischen Side getroffen habe. Dort hätten sie gestritten. "Später, als ich, meine Schwester und meine Freundin M. gemeinsam im Zimmer waren, kamen der Beschuldigte und sein Freund. Er wollte sich bei mir entschuldigen. Wir haben sie hereingelassen", zitiert die Zeitung.

Weiter heißt es: "Eine Weile saßen wir auf dem Bett und unterhielten uns. Später setzten sich der Freund des Beschuldigten und meine Schwester auf den Balkon." Ihre Freundin M. habe sich ins Bett gelegt und geschlafen. "Ich legte mich auch schlafen, obwohl der Beschuldigte neben mir war. Zwischen unserer Unterhaltung und meinem Einschlafen waren zirka 15 Minuten verstrichen. Als ich plötzlich zu mir kam, also erwachte, da fühlte ich den Beschuldigten auf mir. Ich schubste ihn weg. Dabei bemerkte ich aber eine Feuchtigkeit auf meinem Körper. Danach sind wir zum Arzt gegangen."

Verwirrung stiftete eine Äußerung des Rechtsanwalts Jürgen Schmidt aus Uelzen, der die Familie Weiss in Deutschland berät. Er sagte am Mittag dem Fernsehsender RTL im Hinblick auf die von Charlotte M. gegen Marco erhobenen Vorwürfe: "Meines Wissens ist diese Aussage längst widerrufen." Der Jurist war für SPIEGEL ONLINE bislang nicht zu erreichen.

Marco Weiss hat die Missbrauchs-Vorwürfe bestritten. Zwischen ihm und der 13-Jährigen, die sich ihm gegenüber als 15 ausgeben habe, sei es einvernehmlich zu sexuellen Handlungen gekommen. Bei einer Verurteilung drohen ihm acht Jahre Haft.

Unterdessen wurde bekannt, dass auch die Staatsanwaltschaft Lüneburg ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des sexuellen Kindesmissbrauchs gegen Weiss eingeleitet hat. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke heute. Er sagte, die deutsche Behörde könne aber nur abwarten, wie die unabhängige türkische Justiz vorgehe. Weil keine gerichtsverwertbaren Beweise vorlägen, ruhe das Verfahren derzeit in Deutschland. Allerdings könnte die Türkei den Vorgang nun auf dem Wege der Rechtshilfe an Deutschland abgeben.

"Wir warten ab, ob die Türkei auf uns zukommt", sagte Warnecke. Den deutschen Ermittlern lägen keine eigenen Erkenntnisse über den Fall vor, sondern nur die Medienberichterstattung, erklärte Warnecke. "Wir wissen letztlich nicht, was sich zugetragen hat." Deswegen könne die Staatsanwaltschaft nicht an die türkischen Behörden herantreten.

pad/jdl/AP/dpa



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