Knast nach Urlaubsflirt Richterbund findet Aufregung im Fall Marco Weiss unbegründet

Der Richterbund hält die Aufregung um den in Antalya inhaftierten Schüler Marco Weiss für nicht gerechtfertigt. In Deutschland würde bei einem solchen Geschehen "im Prinzip nichts anderes gelten" als in der Türkei, sagte der Freiburger Oberstaatsanwalt Frank dem SPIEGEL.


Hamburg - Der Fall Marco Weiss sei hierzulande offenbar "falsch bewertet" worden, sagte Christoph Frank, Vorsitzender des Deutschen Richterbundes. In Deutschland würde bei einem solchen Geschehen "im Prinzip nichts anderes gelten" als in der Türkei, so Frank.

Inhaftierter Marco Weiss (l.): Verhängnisvoller Türkei-Urlaub
DPA

Inhaftierter Marco Weiss (l.): Verhängnisvoller Türkei-Urlaub

Dem 17-jährigen Schüler wird vorgeworfen, im Urlaub im türkischen Antalya mit einem 13-jährigen britischen Mädchen sexuellen Kontakt gehabt zu haben. Dies sei auch in Deutschland unabhängig davon strafbar, ob das Mädchen freiwillig mitmachte und ob es zum Geschlechtsverkehr kam, sagt Frank. Wenn der Fall in Deutschland spielte, käme selbst bei einem Jugendlichen, wenn er seinen Wohnsitz im Ausland hat, "auch bei uns Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr in Betracht".

Das Auswärtige Amt (AA) hat indes bei der Gefängnisleitung in Antalya dagegen protestiert, dass ein Reporter und ein Fotograf der türkischen Zeitung "Hürriyet" zu einem Interview mit dem Schüler vorgelassen wurden, obwohl weder der Jugendliche noch sein türkischer Anwalt oder seine Eltern vorher um Genehmigung gebeten wurden.

Insbesondere beanstandete das AA, dass in einem in der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Interview des "Hürriyet"-Reporters Äußerungen erschienen, mit denen sich der Jugendliche möglicherweise selbst belastet.

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