Prozess nach Kölner Silvesternacht 26-Jähriger vom Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen

Im ersten Prozess wegen sexueller Nötigung nach der Kölner Silvesternacht hat ein Gericht einen 26-Jährigen verurteilt. Den zentralen Vorwurf hatte die Anklage fallen gelassen.
Angeklagter im Kölner Amtsgericht

Angeklagter im Kölner Amtsgericht

Foto: Marius Becker/ dpa

Ein im Zusammenhang mit den Kölner Silvester-Übergriffen angeklagter Mann ist vom Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen worden. Das Kölner Amtsgericht sah keine Beweise dafür, dass der 26-Jährige zu einer Gruppe gehört hatte, die eine Frau umzingelt, bedrängt und bestohlen haben soll. Der Algerier wurde allerdings wegen Hehlerei und eines Diebstahldelikts zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

In der Verhandlung erkannte die belästigte Frau den Angeklagten nicht als Täter bei den Ausschreitungen wieder. Die 54-Jährige aus Solingen berichtete, sie sei in der Vorhalle des Kölner Hauptbahnhofs aus einer Gruppe von mindestens acht bis zehn Männern "an Hüfte und Brust" angefasst worden. Auf die Frage des Richters, ob sie in einem der beiden Angeklagten einen der damaligen Täter wiedererkenne, schüttelte die Zeugin nach längerem Überlegen den Kopf. "Ich kann das nicht hundertprozentig sagen."

Neben versuchter sexueller Nötigung der Frau hatte die Staatsanwaltschaft dem 26-jährigen auch den Diebstahl von deren Handy vorgeworfen. Der Angeklagte gab aber über seinen Verteidiger an, er habe das Handy wenige Tage nach der Silvesternacht in einem arabischen Cafe für 40 Euro gekauft.

Kauf der Handys als Hehlerei gewertet

Auch der wegen eines anderen Handy-Diebstahls in der Silvesternacht angeklagte Bruder ließ über seinen Anwalt erklären, er habe das fragliche Handy von einem Dritten gekauft. Die Eigentümerin dieses Handys konnte als Zeugin in dem Prozess den Täter ebenfalls nicht identifizieren. Den angeblichen Kauf der beiden Handys durch das Brüderpaar wertete das Gericht in seinem Urteil als Hehlerei.

492 Anzeigen wegen einer Sexualstraftat

Das Verfahren gegen den 26-Jährigen war der erste Fall, in dem ein Sexualdelikt aus der Silvesternacht Thema war. Bisher sind in Köln neun Männer unter anderem wegen Diebstahls in der Silvesternacht verurteilt worden.

In der Silvesternacht hatten Gruppen von Männern - nach Zeugenaussagen vor allem mit "nordafrikanischem" Aussehen - Frauen am Kölner Hauptbahnhof eingekreist, bedrängt und bestohlen. Bei der Kölner Staatsanwaltschaft gingen wegen der Übergriffe knapp 1170 Anzeigen ein, 492 davon wegen einer Sexualstraftat.

mxw/msc/dpa/AFP