Prozess in Düsseldorf Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Reker-Attentäter

Frank S. brachte Henriette Reker fast um, dafür soll er lebenslang ins Gefängnis: Die Bundesanwaltschaft fordert für den Attentäter die Höchststrafe wegen versuchten Mordes.

Angeklagter Frank S. vor Gericht (im April)
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Angeklagter Frank S. vor Gericht (im April)


Der Attentäter, der Henriette Reker vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin niedergestochen hat, soll wegen versuchten Mordes lebenslang hinter Gitter. Das hat die Bundesanwaltschaft beantragt. Frank S. habe sich entschlossen, Reker mit seinem Rambo-Messer zu töten und ihr die Klinge mit Wucht in den Hals gestoßen.

Die Tat des 44-Jährigen sei heimtückisch gewesen, und der Angeklagte habe selbst gestanden, eine wehrlose Frau angegriffen zu haben. Nur mit viel Glück habe es bei dem Attentat nicht mehrere Tote gegeben.

Frank S. hat die Tat aus dem vergangenen Oktober gestanden. Als Motiv für den Angriff auf Reker nannte er vor Gericht deren Einsatz für Flüchtlinge. Vor Gericht hatte ein Polizist zuletzt berichtet, der geständige Angreifer hätte am liebsten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getötet. Das habe er unmittelbar nach dem Attentat gesagt.

"Ausgeprägter Eigensinn und fast kindlicher Trotz"

Der arbeitslose Maler und Lackierer Frank S. hatte Reker einen Tag vor der Wahl ein Jagdmesser in den Hals gerammt. Reker war vor der OB-Wahl als Sozialdezernentin für die Unterbringung der Flüchtlinge in Köln zuständig.

Zuletzt hatte ein Gutachter Frank S. attestiert, voll schuldfähig zu sein. Der Angeklagte sei "recht impulsiv", "schnell kränkbar" und neige dazu, "alles stets als feindselig und gegen sich gerichtet zu erleben". S. gehe von einer "permanenten Bedrohung von außen" aus. Hinzu komme ein "ausgeprägter Eigensinn und ein fast kindlicher Trotz".

Der Angeklagte leide unter einer Persönlichkeitsstörung, so der Psychiater. Es gebe aber keinen Zweifel daran, dass bei Frank S. weder die Fähigkeit, das Unrecht seiner Tat einzusehen, noch sein Steuerungsvermögen zur Tatzeit beeinträchtigt war. Das Urteil soll am 1. Juli gesprochen werden.

mxw/dpa



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