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Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof Polizei schließt terroristischen Hintergrund nicht aus

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes gegen den Geiselnehmer von Köln. Außerdem wurden erste Details zum mutmaßlichen Täter bekannt.

Nach der Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof schließen die Ermittler einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte die stellvertretende Polizeipräsidentin Miriam Brauns bei einer Pressekonferenz. Bei dem Täter handele es sich vermutlich um einen 55 Jahre alten syrischen Staatsangehörigen, sagte ein Sprecher.

Dies lege ein Ausweisdokument nahe, das im hinteren Teil der Apotheke gefunden worden sei. Demnach hatte der Besitzer der Papiere eine Duldung bis Mitte 2021 erhalten. Er sei wegen verschiedener Delikte, unter anderem Diebstahl und Betrug, polizeibekannt. Man könne jedoch noch nicht mit Sicherheit sagen, dass es sich bei dem Inhaber des Dokuments tatsächlich um den schwer verletzten Geiselnehmer handele, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes und Körperverletzung gegen den Mann eingeleitet. Das sagte eine Sprecherin der Behörde. Der Mann hatte sich mehrere Stunden lang mit einer Geisel in einer Apotheke des Gebäudes verschanzt, bevor die Polizei die Geiselnahme beendete.

Täter soll Molotowcocktail gezündet haben

Vor der Geiselnahme hatte der Täter dem leitenden Polizeidirektor Klaus Rüschenschmidt zufolge einen Molotowcocktail in einem Schnellrestaurant am Bahnhof gezündet. Dadurch habe ein 14-jähriges Mädchen Brandverletzungen erlitten. Außerdem erlitt laut einem Feuerwehrsprecher eine weitere Person eine leichte Rauchgasvergiftung. Die Sprinkleranlage löste aus.

Das habe den Täter wohl unter anderem dazu veranlasst, das Restaurant zu verlassen und in die Apotheke zu flüchten. Dort habe er eine weibliche Person als Geisel genommen. "Im Zusammenhang mit dem Betreten dieser Apotheke soll er Passanten zufolge auch geäußert haben, dass er zur Terroristengruppe Daesh gehört", sagte Rüschenschmidt. Mehr sei dazu noch nicht bekannt.

Nach Angaben der Ermittler gab es Kontakt mit dem Geiselnehmer. Er soll freien Abzug und einen Koffer und eine Reisetasche verlangt haben, hieß es. Koffer und Tasche habe er zuvor im Café des Schnellrestaurant liegen gelassen. Zudem habe der Mann die Freilassung einer Tunesierin gefordert. Weitere Details zu seinen Forderungen seien nicht bekannt.

In dem Geschäft seien Gaskartuschen und Brandbeschleuniger gefunden worden, hieß es. "Wir haben die Marschrichtung ausgegeben, dass ein Notzugriff spätestens dann durchgeführt wird, wenn dort brennbare Flüssigkeiten ausgebracht werden", sagte Rüschenschmidt. Das sei gegen 14:50 Uhr der Fall gewesen. Beim Zugriff durch die Polizei habe der Täter die Geisel "massiv bedroht", sagte er. "Er hat wohl auch versucht, sie anzuzünden." Das hätten die Einsatzkräfte jedoch unterbinden können.

Der Mann habe eine Schusswaffe in der Hand gehabt, es sei jedoch noch nicht klar, ob es sich um eine echte Waffe oder einen Gasrevolver gehandelt habe. Einsatzkräfte hätten daraufhin auf den Geiselnehmer geschossen. Dieser wurde den Angaben zufolge schwer verletzt und wird aktuell in einem Krankenhaus notoperiert. Die Geisel wurde laut Feuerwehr mittelschwer verletzt.

bbr/dpa
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