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29. Januar 2016, 20:09 Uhr

SEK-Affäre in Köln

Polizeichef rehabilitiert Elitecops

Von und

Nach einem Mobbingskandal versetzte der frühere Kölner Polizeichef mehrere SEK-Beamte in den Innendienst. Jetzt kippte sein Nachfolger die Entscheidung.

Der neue Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies hat eine umstrittene Entscheidung seines Vorgängers rückgängig gemacht. Mathies ordnete an, dass sechs in den Innendienst versetzte SEK-Beamte wieder regulär an Einsätzen von Spezialeinheiten teilnehmen dürfen. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei. Gründe wollte sie auf Nachfrage nicht nennen.

Der ehemalige Polizeichef Wolfgang Albers hatte im September die SEK-Einheit der Beamten nach Mobbingvorwürfen aufgelöst. Gegen die Elitepolizisten laufen Disziplinarverfahren, ein Strafverfahren wurde eingestellt. Auch ein Sonderermittler entlastete die Cops. Ex-Chef Albers musste nach den Übergriffen zu Silvester in Köln seinen Posten räumen. Sein Nachfolger Mathies rehabilitiert die Spezialkräfte nun.

Zweifelhafte Aussagen des früheren SEK-Mannes Thorsten K.* hatten eine behördliche Lawine gegen das Kommando 3 in Gang gesetzt. Albers entschied damals in Absprache mit dem NRW-Innenministerium: Vier Mitglieder des bislang freigestellten SEK sollen die Spezialeinheiten verlassen, aber bei der Kölner Polizei bleiben. Fünf Mitgliedern sei angeboten worden, weiterhin bei einem SEK Dienst zu versehen, allerdings außerhalb Kölns, hieß es seinerzeit.

Im Innenausschuss hatte der Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium, Wolfgang Düren, diesen Schritt unter anderem damit begründet, dass K. und ein anderer Kollege aus Körperflüssigkeiten hergestelltes Eis hätten essen müssen. Doch das war falsch. Selbst K. sprach in seiner Aussage ausschließlich von einer Tzatziki-Knoblauch-Chili-Mischung. Inzwischen hat Düren seinen Fehler eingeräumt.

Die Anwälte mehrerer Betroffener rügen nun eine "beispiellose Vorverurteilung" ihrer Mandanten. "Monatelange Schmähung, mangelndes Vertrauen in ihre Wertevorstellung haben die Beamten tief verletzt", heißt es in einer Mitteilung. Die Anwälte fordern, auch das Disziplinarverfahren einzustellen. Die Beamten seien "durch das monatelange Einsatzverbot" bestraft genug.

*Name geändert

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