Bistum Köln Priester blieb trotz Verurteilungen wegen Missbrauchs im Amt

Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheits- und einer Bewährungsstrafe verurteilt - und durfte trotzdem als Priester arbeiten: Der Fall eines Geistlichen aus Nordrhein-Westfalen löst Empörung aus.
Foto: Oliver Berg/ DPA

Ein Priester, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde, war trotzdem über Jahrzehnte weiter als Geistlicher tätig. Das teilte das Erzbistum Köln mit. Seit 2002 sei der inzwischen 85-Jährige im Ruhestand.

Der Mann wurde den Angaben zufolge 1972 wegen "fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen" zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Bewährungsstrafe. Dies hielt die katholische Kirche jedoch nicht davon ab, ihn weiterhin als Seelsorger einzusetzen. Im Laufe seiner Priesterlaufbahn wirkte er unter anderem in Köln, Essen, Bocholt, Recklinghausen, Moers und Bochum. Peter Frings, der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, war im Mai 2019 durch ein Schreiben auf den Fall aufmerksam gemacht worden.

Der Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt, zeigte sich erschüttert. "Wie konnte man einen Priester, der sich des Missbrauchs schuldig gemacht hat, dennoch weiter in der Seelsorge arbeiten lassen?", sagte er der Mitteilung zufolge. "Wie konnte man ihn erneut in einer Pfarrei einsetzen?"

Die Verantwortlichen würden nach Abschluss der Untersuchungen namentlich genannt. "Sie haben große Schuld auf sich geladen und den Täterschutz und das Ansehen der Institution über den Schutz der Betroffenen gestellt", sagte Vogt.

Das Erzbistum Köln hat Anfang dieses Jahres eine Rechtsanwaltskanzlei in München damit beauftragt, alle Fälle von sexuellem Missbrauch aus dem Erzbistum zu untersuchen. Im Fall des 85-jährigen Priesters seien der Kanzlei auch die Akten der beiden anderen betroffenen Bistümer Münster und Essen zur Verfügung gestellt worden. Das genaue Ergebnis der Untersuchung soll im Frühjahr 2020 vorgestellt werden.

Die Unterlagen seien teilweise sehr lückenhaft, sagte Vogt. "Da wir nicht ausschließen können, dass es in allen drei Diözesen weitere Betroffene gibt, bitten wir darum, dass diese sich bei einer der beauftragten externen Ansprechpersonen in den Diözesen melden."

bbr/dpa/AFP
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