Prozessbeginn am Landgericht Köln Katholischer Priester soll mehrere Mädchen missbraucht haben

Er soll seine Nichten vergewaltigt haben: Ein 70 Jahre alter Priester steht wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Auch der Hamburger Erzbischof ist als Zeuge geladen.
Landgericht Köln (Archivbild)

Landgericht Köln (Archivbild)

Foto: Horst Galuschka / imago images

Mehr als 30-mal soll ein katholischer Priester aus dem Erzbistum Köln Mädchen missbraucht haben, als sie bei ihm zu Besuch waren. Nun hat vor dem Kölner Landgericht der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen den 70-Jährigen begonnen.

Gleich zu Beginn beantragte sein Verteidiger den Ausschluss der Öffentlichkeit. Bei der Anklageverlesung durften die Zuschauer dennoch dabei bleiben. »Das öffentliche Interesse an dem Verfahren ist groß und höher zu bewerten als die schutzwürdigen Interessen des Angeklagten«, sagte Richter Christoph Kaufmann.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll der Priester zwischen 1993 und 1999 seine drei Nichten missbraucht haben. Die damals zwischen 7 und 13 Jahre alten Mädchen hatten regelmäßig einzeln bei ihrem Onkel, der in Gummersbach tätig war, übernachtet.

Priester soll auch Kind in Wuppertal missbraucht haben

Während die Mädchen in der Badewanne oder auf seinem Schoß saßen, soll der Mann sie an Genitalien, Brust und Po berührt oder sie sogar vergewaltigt haben. Drei der 31 Fälle stuft die Staatsanwaltschaft als schwer ein.

Zudem soll der Geistliche im Jahr 2011, während seiner Zeit als Krankenhausseelsorger in Wuppertal, eine Elfjährige missbraucht haben, die mit ihrer Freundin bei ihm zu Besuch war. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Fall erst vor etwa zwei Wochen Anklage erhoben, das Gericht hat nun beide Verfahren verbunden.

Der Angeklagte sah während der detaillierten Schilderungen des Staatsanwalts nicht auf und schaute in seine Unterlagen. Als er aussagen sollte, schloss das Gericht die Öffentlichkeit aus. Doch ehe die Zuschauer den Saal verließen, ergriff der Verteidiger noch das Wort. Es gehe in dem Fall nicht um Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Rahmen der Institution Kirche, sagte der Rechtsanwalt: »Mein Mandant soll außerdienstlich im privaten Bereich gehandelt haben.«

Prominente Zeugen

Unter den 38 Zeugen, die die Kammer für die 20 Prozesstage geladen hat, sind auch prominente Kirchenvertreter, die im Kölner Erzbistum früher Verantwortung trugen. Der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße, einst Personalchef in Köln, soll am 18. Januar vor Gericht erscheinen. Auch den ehemaligen obersten Kölner Kirchenrichter Günter Assenmacher will die Kammer hören.

Der angeklagte Priester war im Jahr 2010 – als Heße Personalchef war – schon einmal angezeigt worden. Doch die Anzeige wurde zurückgezogen. Erst 2019 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen und führten dann zur Anklage. Somit dürfte auch die Frage eine Rolle spielen, ob Heße seinerzeit den Anschuldigungen gegen den Angeklagten mit der gebotenen Gründlichkeit nachgegangen ist.

Heße selbst hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Als ein im März veröffentlichtes Missbrauchsgutachten  im Auftrag des Kölner Erzbistums ihm mehrere Pflichtverletzungen bescheinigte, bot er Papst Franziskus seinen Rücktritt an. Doch der Papst lehnte ab.

ptz/dpa
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