Rassismusvorwurf Die umstrittene Kontrolle am Kölner Bahnhof

Zehn Männer in muslimischer Gebetskleidung eilen durch den Kölner Hauptbahnhof, um ihren Zug zu erreichen. Damit lösten sie einen Polizeieinsatz aus - und eine Diskussion über Rassismus.

Ein Polizist steht vor dem Kölner Haupftbahnhof. (Symbolbild)
Maja Hitij/ DPA

Ein Polizist steht vor dem Kölner Haupftbahnhof. (Symbolbild)


Am Dienstagmittag lief eine Gruppe junger Männer durch den Kölner Hauptbahnhof. Sie trugen weiße Gebetskleider und darüber Westen. Die Männer schienen sich zu beeilen, noch auf dem Bahnhofsvorplatz sollen sie "Allahu Akbar" gerufen haben, arabisch für: "Gott ist groß". Mehrere Reisende im Hauptbahnhof fühlten sich bedroht und kontaktierten die Polizei. So schildert diese den Ablauf in einer Mitteilung.

Die Polizisten stoppten die Männer. Bilder in den sozialen Medien zeigen drei Menschen, ausgestreckt und mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden liegend, während sie von der Polizei kontrolliert werden. Die Polizei fand ein Messer, sonst keine Waffen.

Der Einsatz und die Bilder lösten eine Diskussion über Rassismus, Racial Profiling und die Arbeit der Polizei aus. Der Fall zeigt, wie schwer solche Situationen zu bewerten sind. Und wie sehr das Thema alle betrifft - gerade in Köln, wo es Silvester 2015/16 am Hauptbahnhof zu massenhaften Übergriffen gekommen war und ein Jahr später zu massenhaften Kontrollen von "nordafrikanisch beziehungsweise arabisch aussehenden jungen Männern". In beiden Fällen wurde die Polizei scharf kritisiert. Und der jetzige Fall zeigt auch, wie groß die Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung ist.

Nachdem die Polizei Köln twitterte, dass sie eine Gruppe verdächtiger Personen kontrolliere, entbrannte in den sozialen Medien ein Streit. Diverse Nutzer kritisierten die Reaktion der Polizisten als rassistisch - insbesondere, dass die Männer eine Stunde festgehalten worden seien, obwohl offenbar keine Gefahr von ihnen ausging. Andere merkten an, dass niemand Allahu Akbar schreiend durch einen Bahnhof rennen müsse.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, kritisierte das Vorgehen der Polizei und sprach in einer Mitteilung von "rassistischem Profiling", das ein ernstzunehmendes Thema bleibe. "Wir erwarten, dass Polizisten kulturell besser geschult werden", so Mazyek. Mehr als ein Drittel der Kölner Bevölkerung hat ausländische Wurzeln.

Am Dienstag begann das Zuckerfest, neben dem Opferfest die höchste Feierlichkeit im Islam. Traditionell treffen sich Muslime am Morgen des ersten Tags des dreitägigen Fests zum Gebet in der Moschee, dann wird im Familienkreis gegessen. Mit dem Zuckerfest endet der Fastenmonat Ramadan. Gläubige dürfen nun auch wieder bei Tageslicht Speisen zu sich nehmen. Die Männer, die die Polizei stoppte, waren laut dem Zentralrat der Muslime unterwegs zu Feierlichkeiten anlässlich des Zuckerfests.

Philipp Krüger, Sprecher für Polizei und Menschenrechte bei Amnesty in Deutschland, sagt: "Amnesty empfiehlt Schulungen für Polizeibeamte, in denen sie sich mit ihren Vorstellungen und Vorurteilen auseinandersetzen müssen. So können sie besser erkennen, wann eine Kontrolle berechtigt ist - und wann sie in Verzerrungen der eigenen Wahrnehmung gründet."

Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob wies die Vorwürfe zurück, das Handeln seiner Beamten sei rassistisch geprägt gewesen. Der Bereich um Dom und Hauptbahnhof werde von der Polizei besonders überwacht: "Deshalb reagieren wir mit der erforderlichen Konsequenz auf Situationen, die Menschen Angst machen und den Anschein erwecken, dass erhebliche Gefahren drohen." Mit dem heutigen Wissensstand, so Jacob, bedauere er, dass unbescholtene Bürger von diesen Maßnahmen betroffen gewesen seien. Darüber hinaus biete Jacob ihnen das persönliche Gespräch an: "Ich werde auf diese Menschen zugehen."

muk/dpa

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