Kölner SEK-Skandal Bericht enthüllt demütigende Aufnahmerituale

Tsatsiki-Chili-Eis oder Alkohol durch die Tauchermaske: Polizisten der Eliteeinheit SEK sollen junge Kollegen gequält haben. Ein Bericht von NRW-Innenminister Ralf Jäger zeigt nun das ganze Ausmaß der Kränkungen.


Nach dem Bekanntwerden der demütigenden Aufnahmerituale bei einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Kölner Polizei hat der Innenausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen nun einen Bericht von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) diskutiert, in dem die Details der Schikane nachzulesen sind.

Ein 33-jähriger Polizist hatte sich Ende Mai an eine andere Dienststelle gewandt und angegeben, von Kollegen tagelang gequält und schikaniert worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft prüfte daraufhin Ermittlungen wegen Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung. Die Verfahren gegen zehn SEK-Mitglieder sind zwar inzwischen eingestellt, "weil verfolgbare Straftaten nicht vorliegen" und die jeweils betroffenen Beamten freiwillig mitmachten. Die Aufklärung aus Politik und Polizei stand aber noch aus.

Laut dem nun diskutierten Ministeriumsbericht, den der Kölner "Express" veröffentlicht hat , sollten die Neuen etwa kniend auf dem Boden eine ekelerregende Eismischung mit Tsatsiki-Knoblauch-Chili-Geschmack essen, die sich zwischen den Oberschenkeln eines SEK-Mitglieds befand. Ein Beamter soll sich darüber erbrochen haben.

Außerdem sollten die Beamten bei einer Reise nach Südtirol Indianerkostüme und Perücken tragen. Die gut trainierten Beamten wurden zu körperlichen Höchstleistungen herausgefordert, wie einen Berg in den Alpen mit einem alten Damenrad zu erklimmen. Auch erhielten die neuen Beamten dem Bericht zufolge nacheinander eine das gesamte Gesicht bedeckende Tauchermaske übergezogen, um durch einen Luftschlauch Alkohol in die Brille einzufüllen - Bier oder ein Bier-Schnaps-Gemisch.

Derzeit prüft das Polizeipräsidium Köln dienstrechtliche Schritte wie etwa Versetzungen.

apr/dpa



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