Kölner Silvesternacht Gutachter wirft Polizei Versäumnisse vor

Ein Gutachter hat mehr als 1000 Strafanzeigen aus der Kölner Silvesternacht untersucht. Er kommt zu dem Schluss: Die Polizei habe zu lange gezögert.

Silvesterabend in Köln
DPA

Silvesterabend in Köln


Die massenhaften Übergriffe der Kölner Silvesternacht wären vermutlich zu verhindern gewesen, wenn die Polizei früh am Abend eingegriffen hätte. Zu diesem Schluss kommt der renommierte Kriminalpsychologe Rudolf Egg in einem Gutachten für den zuständigen Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags.

Egg wertete 1020 relevante Strafanzeigen aus. Demnach wurden in 29,2 Prozent der Fälle reine Sexualdelikte angezeigt. 46,5 Prozent der Fälle waren reine Eigentumsdelikte, in 17 Prozent der Fälle handelte es sich um Eigentums- und Sexualdelikte. Aus den Daten ergebe sich laut Egg außerdem, dass die meisten Sexualstraftaten in der Zeit von 20.30 Uhr und 23.35 Uhr begangen wurden.

Ein Sog entsteht

Egg vermutet, dass die überwiegend nordafrikanischen Täter weder massenhaft Übergriffe geplant hätten, noch Zufall die Ursache sei. Es sei plausibel anzunehmen, dass vereinzelte Taten einen Sog entfaltet hätten. Als klar gewesen sei, dass die Polizei nicht eingreife, hätten sich mehr und mehr Männer zu Übergriffen ermuntert gefühlt. In der Umgebung von Dom und Hauptbahnhof sei eine Art rechtsfreier Raum entstanden.

"In dieser Situation", so heißt es im Gutachten, "konnten auch Personen, die ohne jede kriminelle Absicht an diesen Ort gekommen waren, zu Straftätern werden, sofern sie zumindest tendenziell Spaß daran hatten, andere zu dominieren". Die Räumung der Domplatte vor dem Hauptbahnhof kurz vor Mitternacht sei "erheblich zu spät" erfolgt.

Marc Lürbke, FDP-Sprecher im Ausschuss, nahm das Gutachten als Anlass für die Forderung, dass der Rechtsstaat "bei Straftaten nicht zuschauen" dürfe. Wenn Kriminelle allein durch das Auftreten in Gruppen der Verfolgung entgehen könnten, sei das "ein rechtsstaatlicher Offenbarungseid".

sms



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