Fünf Tote in Königs Wusterhausen Tatverdächtiger Vater offenbar in Impfgegner-Telegram-Gruppen

Ein 40-Jähriger soll in Brandenburg seine Familie und sich selbst getötet haben. Nun sind weitere Details zu möglichen Hintergründen bekannt geworden.
Tatort in Königs Wusterhausen: Der Vater soll sich und seine Familie getötet haben

Tatort in Königs Wusterhausen: Der Vater soll sich und seine Familie getötet haben

Foto: Bernd Friedel / imago images/Bernd Friedel

Devid R., der in Königs Wusterhausen seine Familie und sich erschossen haben soll, war offenbar in mehreren Telegram-Chatgruppen der »Querdenker«- und Impfgegner-Szene vernetzt. Das zeigt eine Auswertung des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), die dem SPIEGEL vorliegt. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)  berichtet.

Selbst schrieb R. demnach nur an zwei Tagen, Ende Juli 2021. Dabei ging es um die Falschbehauptung, dass ungeimpfte Menschen Gürtelrosen entwickeln würden, nachdem sie Kontakt mit Geimpften gehabt hätten. »So etwas kann natürlich stark radikalisierend wirken. Aber wir kennen nur einen kleinen Ausschnitt. Deshalb bleibt die weitere Aufklärung in diesem Fall abzuwarten«, sagte Josef Holnburger von Cemas dem RND. Die Staatsanwaltschaft hat zum Zusammenhang des Mannes mit der »Querdenker«-Szene bislang nicht ermittelt.

Laut einem Abschiedsbrief des tatverdächtigen Familienvaters hatte der Mann das Zertifikat seiner Frau fälschen lassen. In dem Brief gab R. zudem an, dass er Angst vor einer Verhaftung habe und davor, dass man ihm die Kinder wegnehme.

»Die Vorstellungen des Mannes waren völlig verquer«, sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon der Nachrichtenagentur dpa. Der 40-Jährige war weder polizeilich bekannt, noch war die Familie beim Jugendamt aufgefallen. »Eine Haftstrafe bei einem Ersttäter, das ist völlig undenkbar. Ebenso die Wegnahme der Kinder.« Es komme in dem Brief zum Ausdruck, dass der Mann vermutlich eher psychische Probleme gehabt haben müsse, da seine Vorstellungen mit den Tatsachen nichts mehr zu tun hätten, so Bantleon.

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Die Polizei hatte die fünf Toten am Samstag in einem Einfamilienhaus im brandenburgischen Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin gefunden. Zeugen hatten leblose Körper in dem Haus gesehen und die Polizei alarmiert. Die Leichen lagen nach Erkenntnissen der Ermittler vermutlich bereits seit der Nacht auf Freitag in dem Haus. Das ergab die Obduktion, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte.

bbr/has/dpa
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