Angriff auf Herzkranken in Köthen Angeklagte wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt

Ein 22-Jähriger starb nach einer Auseinandersetzung in Sachsen-Anhalt. Im Prozess zu der Gewalttat sind zwei junge Männer nun zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Angeklagte mit Anwälten im Landgericht Dessau-Roßlau (Foto vom 5. Februar 2019)
Sebastian Willnow/DPA

Angeklagte mit Anwälten im Landgericht Dessau-Roßlau (Foto vom 5. Februar 2019)


Rund acht Monate nach dem Tod eines herzkranken 22-Jährigen bei einem Streit in Köthen hat das Landgericht Dessau-Roßlau die beiden Angeklagten schuldig gesprochen - wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Das Gericht verhängte gegen den 17 Jahre alten Angeklagten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Sein 19 Jahre alter afghanischer Landsmann wurde zusätzlich wegen zwei weiterer Taten zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt.

Der Tod sei kein bloßer Unfall gewesen, sondern sei durch die Körperverletzung der Angeklagten fahrlässig verursacht worden, begründete die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt das Urteil.

Mit Blick auf die Beweisaufnahme hatte die Staatsanwaltschaft den Angriff zuletzt nur noch als gefährliche Körperverletzung eingestuft und Jugendstrafen gefordert. Die Angeklagten hätten nicht mit der schweren Herzerkrankung ihres Gegenübers und den schwerwiegenden Folgen rechnen können. Auch die Verteidigung argumentierte, der Tod des 22 Jahre alten Deutschen könne nicht den Angeklagten zugerechnet werden und forderte Freispruch von diesem Vorwurf.

Rechtsgerichtete Demonstrationen

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten den 22-Jährigen geschlagen und getreten haben. Sie hatten mitten in der Nacht auf einem Spielplatz mit einem Landsmann gestritten. Das Opfer soll hinzugekommen sein, um zu schlichten.

Der Fall hatte rechtsgerichtete Demonstrationen und Gegenproteste ausgelöst. Der schwer herzkranke Mann war am 8. September 2018 auf dem Spielplatz gestorben. Laut Rechtsmedizin erlag er einem Herzinfarkt.

Seine Familie reagierte empört auf die Verkündung des Strafmaßes für die beiden Angeklagten. Ein Bruder des Toten warf einen Tisch um, eine Schwester schrie. Die Justizbeamten mussten eingreifen und die Angeklagten wurden kurzzeitig aus dem Raum geführt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

wit/dpa

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