Schüsse in Kopenhagener Einkaufszentrum Tatverdächtiger verbringt U-Haft in Psychiatrie

Er soll drei Menschen getötet und etliche verletzt haben: Jetzt ist der mutmaßliche Schütze von Kopenhagen vor dem Haftrichter erschienen. Die Untersuchungshaft soll er unter psychiatrischer Beobachtung verbringen.
Menschen verlassen das Gelände des Einkaufszentrums in Kopenhagen (am 3. Juli)

Menschen verlassen das Gelände des Einkaufszentrums in Kopenhagen (am 3. Juli)

Foto: Claus Bech / dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Attentäter von Kopenhagen vorsätzliche Tötung und versuchte Tötung vor. Das berichteten mehrere dänische Medien aus der Anhörung des Mannes vor einem Haftrichter. Der Tatverdächtige soll demnach für 24 Tage in eine geschlossene psychiatrische Abteilung eingewiesen werden. Somit werde er die Untersuchungshaft in der Psychiatrie verbringen.

Der 22 Jahre alte Däne soll am frühen Sonntagabend in einem Einkaufszentrum in der dänischen Hauptstadt drei Menschen erschossen und vier weitere durch Schüsse schwer verletzt haben. Das Verhör fand auf Wunsch der Anklage hinter verschlossenen Türen statt.

Der Verteidiger des Beschuldigten sagte laut dänischen Medien, sein Mandant wolle sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußern. In seiner Befragung gab der Attentäter aber laut Polizei zu, während des Schusswaffenangriffs in dem Einkaufszentrum gewesen zu sein.

Bei dem Attentat kamen zwei 17-Jährige und ein 47 Jahre alter Mann ums Leben. Drei weitere Menschen seien wegen möglicher Verletzungen durch Streifschüsse behandelt worden, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Bei der Flucht aus dem Einkaufszentrum hätten sich 20 Menschen leicht verletzt. Ein Sprecher der Hauptstadtregion sagte, es handle sich bei den Verletzungen etwa um Arm- und Beinbrüche.

Kurz nach der Tat - um 17.48 Uhr - hatten Polizisten den mutmaßlichen Täter in unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums festgenommen. Bei der Festnahme, die nach Polizeiangaben »relativ undramatisch« verlief, hatte er ein Gewehr und ein Messer bei sich. Außerdem habe er Zugang zu einer Pistole gehabt, sagte Polizeichef Thomassen. »Wie es derzeit aussieht, sind die Waffen zulässig, aber er hatte keine Berechtigung dafür.« Laut der Boulevardzeitung »Ekstra Bladet« soll der Verdächtige Mitglied eines Schützenclubs in Kopenhagen sein.

Der Tatverdächtige habe in der Vergangenheit Kontakt zur Psychiatrie gehabt, sagte Thomassen. Laut einem Bericht des dänischen Fernsehens soll sich 22-Jährige kurz vor der Tat an eine Krisen-Hotline gewandt haben. Die Ermittler bestätigten dies zunächst nicht.

Die Ermittler gehen nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Der Mann habe wahllos auf Menschen geschossen und offenbar allein gehandelt. Sie machten keine Angaben zu seinem Motiv. Im Netz kursieren Videos des Mannes, die Ermittler als authentisch einstuften. Darin posiert er mit Waffen, ahmt Selbstmordgesten nach und spricht von Psychopharmaka, »die nicht wirken«.

»Tief empfundenes Beileid«

Dänischen Medien zufolge hatte der Beschuldigte die Videos am Freitag veröffentlicht. Die YouTube- und Instagram-Konten, die dem Tatverdächtigen zugerechnet werden, sind inzwischen gesperrt.

Die Bundesregierung erklärte, man sei in »tiefer Trauer« über diese »abscheuliche Tat«. Allen Betroffenen spreche die Bundesregierung ihr »tief empfundenes Beileid aus«, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit.

jpz/ala/dpa/AFP
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