Soko "Kardio" Krankenpfleger auch in Oldenburger Todesfällen unter Verdacht

Der Krankenpfleger Niels H. steht wegen dreifachen Mordes vor Gericht, mehr als 170 Todesfälle am Klinikum Delmenhorst werden noch überprüft. Nun hat der alte Arbeitgeber des Mannes ein Gutachten vorgestellt: Auch in Oldenburg gibt es zwölf verdächtige Fälle.
Niels H. im Landgericht Oldenburg (Archiv): Zwölf weitere verdächtige Todesfälle

Niels H. im Landgericht Oldenburg (Archiv): Zwölf weitere verdächtige Todesfälle

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Oldenburg - Niels H. ist bereits wegen mehrfachen Mordes angeklagt, der Krankenpfleger soll im Klinikum Delmenhorst Patienten getötet haben. Wie das Klinikum Oldenburg, wo H. vorher gearbeitet hatte, nach einer Untersuchung nun mitteilte, könnte er auch dort für den Tod von schwerkranken Menschen verantwortlich sein.

In zwölf Fällen sei von Fremdeinwirkung auszugehen, sagte ein Gutachter. Unklar sei aber, ob die Fälle H. zur Last gelegt werden könnten. Während der Dienstzeit des 38-Jährigen auf der herzchirurgischen Intensivstation des Klinikums Oldenburg habe es mehr als 50 Sterbefälle gegeben, außerdem einen Todesfall in der Anästhesie.

Bereits seit September muss sich H. vor dem Landgericht Oldenburg verantworten - wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs im Klinikum Delmenhorst. Als Krankenpfleger soll er Patienten das Medikament Gilurytmal verabreicht haben, in dem Wissen, dass es lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern sowie Blutdruckabfall auslösen kann.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine Überdosis des Medikaments gespritzt zu haben, um die Patienten danach wiederbeleben zu können. Später soll sein Motiv auch Langeweile gewesen sein. In einem ersten Prozess hatten die Richter ihn 2008 wegen Mordversuchs zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Im aktuellen Prozess wiesen Zeugen auf weitere Verdachtsfälle hin. Die Sonderkommission "Kardio" der Polizei und die Staatsanwaltschaft untersuchen zurzeit allein in Delmenhorst den Tod von 174 Patienten, die von 2003 bis 2005 während der Schichten des Krankenpflegers starben. Bevor der Pfleger in Delmenhorst anfing, arbeitete er von 1999 bis 2002 am Klinikum Oldenburg.

Die Sonderkommission will nun auch verdächtige Fälle in Oldenburg aus dieser Zeit prüfen. Den Ermittlern zufolge handelt es sich um mehr als die vom Klinikum Oldenburg untersuchten Fälle. Hierfür will die Soko sämtliche Krankenakten der Verstorbenen einsehen - und gegebenenfalls die Toten für eine Obduktion exhumieren.

Niels H. schweigt zu den Vorwürfen. Im Gefängnis soll er sich nach Aussagen von Mithäftlingen mit seinen Taten gebrüstet und sich "als größter Serienmörder der Nachkriegsgeschichte" bezeichnet haben.

wit/dpa
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