Krawalle in Hamburg Polizei verfolgt wegen G20 mehr als 2000 Straftaten

Körperverletzung, Landfriedensbruch, Brandstiftung: Nach den schweren Krawallen beim G20-Gipfel läuft die juristische Aufklärung. Interne Zahlen der Polizei zeigen das Ausmaß der Gewalt.
Krawalle während des G20-Gipfels in Hamburg

Krawalle während des G20-Gipfels in Hamburg

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Die Hamburger Polizei ermittelt in mehr als 2000 Fällen wegen mutmaßlicher Straftaten von G20-Gegnern. Das zeigen interne Zahlen der Sonderkommission "Schwarzer Block", die dem SPIEGEL vorliegen.

An der Spitze der Deliktfelder stehen Sachbeschädigung (575), gefährliche Körperverletzung (330) und Landfriedensbruch (303). Es folgen besonders schwere Fälle von Landfriedensbruch (126) und Brandstiftung (123). In 45 Fällen geht es um Widerstand gegen Polizeibeamte.

Die interne Statistik umfasst 2036 Straftaten, die mit Bezug zu G20 vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2017 begangen worden sein sollen. Stichtag ist der 22. August. Wie viele Taten es an den beiden Gipfeltagen Anfang Juli gegeben haben soll, geht aus den Daten nicht hervor.

Schwarz vermummte Täter

Der Hamburger Innenstaatsrat Bernd Krösser bestätigte auf SPIEGEL-Anfrage lediglich: "Die Polizei ermittelt derzeit in weit mehr als 1000 Fällen gegen G20-Gegner." Die Soko "Schwarzer Block" war nach dem Gipfel gegründet worden. Damals hatte es schwere Ausschreitungen gegeben, viele Täter waren schwarz vermummt.

In dieser Woche formiert sich ein Sonderausschuss der Hamburger Bürgerschaft, der die Geschehnisse aufarbeiten soll. Am Vormittag beginnt der erste Prozess gegen einen mutmaßlichen G20-Gewalttäter. Der 21-jährige Niederländer soll Flaschen auf Polizisten geworfen haben.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft teilte jüngst mit, sie führe wegen der Ausschreitungen 109 Ermittlungsverfahren gegen namentlich bekannte Personen, hinzu kämen 64 Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt. In der Regel ermittelt die Polizei zunächst die Sachverhalte und reicht die Akten später an die Staatsanwaltschaft weiter.

Auch gegen Polizeibeamte laufen Ermittlungen, überwiegend wegen des Vorwurfs Körperverletzung im Amt. Das Dezernat Interne Ermittlungen in der Innenbehörde führt 60 Verfahren, in acht Fällen kam die Anzeige von Kollegen. Die Zahl der Verfahren könnte laut offiziellen Schätzungen auf mehr als hundert steigen.

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