Krebsopfer Ermittlungen gegen Eltern des kleinen Dominik

Mehr als ein Jahr nach dem Tod des neunjährigen Dominik geraten jetzt die Eltern des Kindes ins Visier der Staatsanwälte. Weil sie eine Schmerztherapie für ihren schwer krebskranken Sohn abgelehnt hatten, wird gegen das Paar wegen Körperverletzung ermittelt.


Koblenz - Laut Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer entschlossen sich die Eltern im Jahr 2004 entgegen dem Rat der Ärzte gegen eine Schmerztherapie für ihren Sohn, der im Endstadium an Krebs litt. Zugleich schloss die Staatsanwaltschaft das im November 2004 eingeleitete Todesermittlungsverfahren ab: Dominik sei eindeutig an den Folgen einer Tumorerkrankung mit Metastasen in zahlreichen Organen gestorben. Das hätten zwei rechtsmedizinische Gutachten, die Aussagen behandelnder Ärzte und Pfleger sowie die Krankenakten aus neun deutschen Krankenhäusern haben laut Staatsanwaltschaft ergeben.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Statt die klinische Behandlung - wie von Medizinern dringend gefordert - fortzusetzen, waren die Eltern zu einem Operationstermin nicht erschienen und behandelten ihren Sohn nach einer sogenannten Zell-Vital-Stoff-Therapie. Diese Therapie wird von dem umstrittenen Stuttgarter Mediziners Matthias Rath propagiert. Rath hatte in der Öffentlichkeit den Fall Dominik als Beleg für den Erfolg seiner Vitamin-Kur angeführt.

Brauer erklärte, nach dem Ergebnis der Ermittlungen sei davon auszugehen, dass eine bei Dominik eingeleitete Chemotherapie im Juni 2003 auf Wunsch der Eltern abgebrochen wurde.

Eine empfohlene Operation sei nicht mehr durchgeführt worden. Beide Maßnahmen hätten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das Leben Dominiks verlängert, sagte der Oberstaatsanwalt. Bei 15 bis 20 Prozent aller Krebspatienten mit ähnlichem Krankheitsbild wirke allerdings auch die beste Schulmedizin nicht.

Brauer sagte, der Einfluss Raths auf den Krankheitsverlauf sei nicht Gegenstand des Todesermittlungsverfahrens gewesen. Die "Dr. Rath Health Foundation" hatte auf ihrer Internetseite behauptet, Dominik sei bis Januar 2004 durch die von Raths Institut entwickelte Zell-Vitalstoff-Therapie geheilt worden. Als der Junge am 1.November 2004 starb, machte die Foundation dafür einen Bluterguss im linken Brustraum verantwortlich. Dieser sei durch einen ärztlichen Kunstfehler entstanden. Dem widersprach Brauer: Es habe gebe keine Anhaltspunkte für einen ärztlichen Behandlungsfehler.



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