Prozess in Krefeld Tod von Krebspatienten - Bewährungsstrafe für Heilpraktiker

Das Landgericht Krefeld hat einen Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen. Der 61-Jährige hat schwer krebskranke Menschen mit alternativen Therapiemethoden behandelt - drei von ihnen starben.

Heilpraktiker Klaus R.: Prozess in Krefeld
SASCHA STEINBACH/ EPA-EFE/ REX

Heilpraktiker Klaus R.: Prozess in Krefeld


Im Prozess um den Tod von drei Krebspatienten ist ein Heilpraktiker aus Moers zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Krefelder Landgericht sprach den 61-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung schuldig. Dabei attestierte das Gericht Klaus R. "schwere Verletzungen der Sorgfaltspflicht".

So habe er die Identität der gelieferten Substanzen nicht überprüft, eine ungeeignete Waage verwendet, Infusionsflaschen unzureichend beschriftet und den Einsatz von 3-Bromopyruvat mangelhaft dokumentiert. Es hielt dem Verurteilten nach einem halben Jahr Prozessdauer zu Gute, dass er nicht vorbestraft ist, an der Aufklärung mitgewirkt hat und das Geschehen glaubwürdig bedauert.

Seine Verteidigerin hatte zuvor einen Freispruch beantragt. Es sei nicht nachgewiesen, dass die Therapie ihres Mandanten den Tod der Patienten verursacht habe. Diese seien schwer krebskrank gewesen und hätten die klassische Chemotherapie abgelehnt. Sie hätten gewusst, dass sie sich auf eine experimentelle Therapie einließen.

Doch das Gericht sah das anders: Der Tod der drei Patienten, einer Belgierin, einer Niederländerin und eines Niederländers, stehe deutlich im Zusammenhang zu den verabreichten Infusionen. Alle hätten einen Hirninfarkt erlitten. Es gebe für ihren Tod keine andere Erklärung als das verabreichte hochwirksame Zellgift BP-3.

"Alle Pflichten missachtet"

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert. Der Heilpraktiker habe bei der Behandlung mit einem nicht zugelassenen Medikament "alle Pflichten missachtet" und grob fahrlässig gehandelt. So habe die von R. benutzte Waage keine Tausendstelgramm messen können, obwohl es darauf angekommen sei. Dadurch habe er seinen Patienten eine bis zu sechsfache tödliche Überdosis verabreicht.

Der 61-Jährige hatte dagegen beteuert, dass er den Stoff bereits monatelang mit gutem Erfolg eingesetzt habe. Er vermutete, dass der Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP) bereits in anderer Qualität oder Zusammensetzung als sonst angeliefert worden sei. Er selbst sei bei der Dosierung immer gleich vorgegangen.

Eine Rechtsanwältin, die Angehörige als Nebenkläger vertrat, zog die Aussage des Heilpraktikers in Zweifel, er habe seinen Beruf ergriffen, um schwer kranken Menschen zu helfen. Der 43-Jährigen, deren Angehörige sie vertrete, sei es nach der Behandlung sehr schlecht gegangen. Dennoch habe R. keinen Notarzt alarmiert und die an Brustkrebs erkrankte Frau einfach nach Hause geschickt. Obwohl es bei der Dosierung auf das Körpergewicht ankomme, habe er die zweifache Mutter nicht gewogen.

Der Heilpraktiker hatte sich darauf spezialisiert, schwer krebskranke Menschen mit alternativen Therapiemethoden zu heilen - viele der Patienten waren im Endstadium, medizinisch austherapiert und eigentlich ohne Hoffnung. "Es tut mir sehr leid, was passiert ist", sagte R. zum Prozessauftakt Ende März. "Aber ich habe dafür keine Erklärung. Ich habe ein gutes Gefühl, richtig und sauber gearbeitet zu haben." Zwei Frauen und ein Mann starben im Juli 2016 innerhalb von zwei Tagen nach der Infusion.

Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, erklärte nach dem Urteil, Krebstherapien gehörten nicht in die Hände von Heilpraktikern. Der Gesetzgeber sollte dem einen Riegel vorschieben.

wit/dpa



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