Feuer im Krefelder Zoo "Ein Vollbrand, der nicht mehr bekämpft werden konnte"

Bei dem Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos starben 30 Tiere - das Großfeuer hat deutschlandweit Bestürzung ausgelöst. Mittlerweile haben sich drei Verantwortliche bei der Polizei gemeldet. Was wir bislang wissen.
Brandermittler der Polizei in den Ruinen des Affenhauses des Krefelder Zoos: "Das ist rasend schnell gegangen"

Brandermittler der Polizei in den Ruinen des Affenhauses des Krefelder Zoos: "Das ist rasend schnell gegangen"

Foto: Marcel KuschDPA

Was ist in Krefeld genau passiert?

Am frühen Neujahrsmorgen ging das Affenhaus des Krefelder Zoos in Flammen auf. Mehr als 30 Tiere verbrannten - darunter fünf Borneo-Orang-Utans, ein westafrikanischer Schimpanse und zwei Flachlandgorillas. Überlebt haben zwei Schimpansen, das 40 Jahre alte Weibchen Bally und das junge Männchen Limbo. Beide erlitten lediglich leichte Brandverletzungen. Das Affenhaus wurde komplett zerstört, der finanzielle Schaden geht in die Millionen.

Welches Bild bot sich der Feuerwehr vor Ort?

Die Feuerwehr war nur wenige Minuten nach dem ersten Notruf im Zoo. Trotzdem konnten die Retter nichts mehr für die ungefähr 30 Tiere tun. "Wir waren selber ein Stück weit erstaunt darüber, dass nach dem Eintreffen das Affenhaus bereits in Vollbrand stand", sagte Andreas Klos von der Krefelder Feuerwehr. Man habe nur noch die Nachbargehege schützen und den Schaden auf diese Weise minimieren können. "Fakt ist, es war ein ausgedehnter Vollbrand, der auch nicht mehr bekämpft werden konnte."

Was hat den Brand ausgelöst?

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Affenhaus von einer sogenannten Himmelslaterne in Brand gesetzt wurde. Überreste der Leuchte seien an der Brandstelle gefunden worden, sagte Hauptkommissar Gerd Hoppmann von der Krefelder Kriminalpolizei auf einer Pressekonferenz. Himmelslaternen, auch Wunschlaternen genannt, bestehen aus dünnem Seidenpapier und einer Kerze oder einem Behälter mit Brennpaste in der Mitte. Werden sie entzündet, können sie weit durch die Luft schweben. Die sogenannte Kong-Ming-Laterne wurde vor fast 2000 Jahren in China vom Militärführer Kong Ming entwickelt und als Kommunikationsmittel eingesetzt. In vielen asiatischen Ländern lassen die Menschen, vor allem anlässlich des chinesischen Neujahrs, die kleinen Heißluftballons gen Himmel steigen.

Himmelslaterne (Archivfoto)

Himmelslaterne (Archivfoto)

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Dürfen Himmelslaternen in Deutschland überhaupt verkauft werden?

Ja. Der Verkauf - und Besitz - der Laternen ist nicht reguliert, dafür jedoch der Gebrauch. Schon für unter zehn Euro kann man eine Packung Himmelslaternen im Internet bestellen. In den Bewertungen schreiben Nutzer freiherzig darüber, ob und wie gut sich die Leuchten am Nachthimmel machten. Ein Hinweis darauf, dass sie jedoch in den meisten Bundesländern verboten sind und der Start vorheriger schriftlicher Genehmigung bedarf, findet sich nur bei manchen der Artikel im Kleingedruckten. Laut Rechtsanwalt Andreas J. Tryba wäre es eher aussichtslos, einen Händler oder Hersteller zu verklagen. "Himmelslaternen sind nicht die einzigen Güter, deren Besitz legal, deren Verwendung aber verboten ist." Ein Beispiel sei eine gängige Blitzer-Warn-App, die man zwar herunterladen, aber nicht im Straßenverkehr benutzen dürfe.

Wann ist das Steigenlassen der Laternen illegal?

In den meisten Bundesländern müssen die leicht entflammbaren Lichter generell am Boden bleiben, zum Beispiel in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Einige Bundesländer sehen grundsätzlich Ausnahmegenehmigungen vor. Aber auch in den Bundesländern, in denen kein generelles Verbot herrscht, so zeigen Erfahrungsberichte im Netz, fällt die Antwort auf eine Anfrage beim zuständigen Ordnungsamt in der Regel negativ aus.

Eine Missachtung kann je nach Bundesland mit einem Bußgeld bis zu 5000 Euro geahndet werden, dürfte sich laut Rechtsanwalt Tryba allerdings in der Regel zwischen 5 und 1000 Euro bewegen. Dies gelte unabhängig davon, ob es zu einem Brand komme. Im Falle eines Brandes könne "sogar der Straftatbestand der fahrlässigen Brandstiftung realisiert sein."

Doch selbst bei einem positiven Bescheid des zuständigen Ordnungsamts gilt es, eine weitere Genehmigung von der Deutschen Flugsicherung einzuholen. Dies gilt zum Beispiel auch beim Steigenlassen größerer Mengen Luftballons.

Aber auch mit offizieller Genehmigung kann das Steigenlassen von Himmelslaternen teuer werden. Das Oberlandesgericht Koblenz entschied bereits 2015, es sei durchaus erkennbar, dass es sich bei den Himmelslaternen um "fliegende Brandstifter" handle. Es ist schon vorgekommen, dass die Kosten für den abgebrannten Steg eines Jachthafens und sogar ein ganzes Einfamilienhaus am Verursacher hängen blieben. So kann der besondere Moment beim Geburtstag, der Hochzeit oder an Silvester mit etwas Pech mit mehreren Hunderttausend Euro zu Buche schlagen.

Fotostrecke

Krefelder Zoo: Stille Trauer um geliebte Affen

Foto: SASCHA STEINBACH/ EPA-EFE/ REX

Weiß man, wer den Krefelder Brand verursacht hat?

Ja. Die mutmaßlichen Verursacherinnen meldeten sich kurz nach Bekanntwerden des verheerenden Brandes selbst bei den Ermittlern. Es handelt sich laut Polizei um eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter. Die drei Frauen hätten in der Silvesternacht nach eigenen Angaben fünf Himmelslaternen aufsteigen lassen, sagte Hoppmann. Die Laternen seien mit guten Wünschen für das neue Jahr beschriftet gewesen. Den Frauen war nach Angaben der Ermittler nicht bewusst, welchen Schaden Himmelslaternen anrichten können.

Weshalb konnte das Feuer so schnell auf das gesamte Gebäude übergreifen?

Mithilfe von Videoaufnahmen von Überwachungskameras aus dem Zoo konnte die Polizei rekonstruieren, dass eine der Himmelslaternen auf dem Dach des Affengeheges landete und den Brand auslöste. "Das ist rasend schnell gegangen", sagte Hauptkommissar Gerd Hoppmann bei der Pressekonferenz. Das Dach des Hauses sei vor einigen Jahren nach einem Hagelschlag erneuert und mit einem Plexiglas versehen worden. Das Material und seine Brennbarkeit würden nun untersucht, so Hoppmann. Möglicherweise spiele auch trockenes Laub eine Rolle - auf den Dächern anderer Gehege, die in der gleichen Weise eingedeckt seien, habe man "größere Mengen trockenes Laub" festgestellt. Die Feuerwehr verwies darauf, dass es im Affenhaus keine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage gegeben habe, diese sei im Baujahr 1975 aber auch noch nicht vorgeschrieben gewesen.

Mit welcher Strafe müssen die drei Frauen rechnen?

Laut Polizei waren alle drei Frauen daran beteiligt, die Himmelslaternen aufsteigen zu lassen. Insofern treffe der Tatvorwurf der fahrlässigen Brandstiftung die Mutter und beide erwachsene Töchter, sagte Oberstaatsanwalt Jens Frobel. Dies könne mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. "Was letztlich dabei rauskommt, wird ein Gericht zu klären haben", so Frobel.

Im Video: Polizei zum Brand im Krefelder Zoo

SPIEGEL ONLINE

Wer muss den Schaden bezahlen?

Der Zoo kann zivilrechtliche Ansprüche gegen die Mutter und ihre zwei Töchter geltend machen. Ob er das tut, ist noch unklar - Zoosprecherin Petra Schwinn wollte sich dazu nicht äußern. Sollten den Frauen Kosten in Rechnung gestellt werden, stehen die Chancen gut, dass ihre private Haftpflichtversicherung einspringt. "Die private Haftpflichtversicherung übernimmt auch fahrlässig verursachte Schäden", sagte Christian Ponzel vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Ausgeschlossen seien nach den GDV-Musterbedingungen nur vorsätzlich herbeigeführte Schäden. Anders wäre es nur, wenn die Frauen eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hätten, die das Zünden von Himmelslaternen explizit von der Schadensübernahme ausnimmt.

Werden die toten Menschenaffen jetzt beerdigt?

Nein. Die gestorbenen Tiere dürfen nicht einfach auf einem Tierfriedhof beigesetzt werden. Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handle, sei eine Beerdigung nicht erlaubt, sagte Petra Schwinn. Die Tiere seien dem Veterinäruntersuchungsamt übergeben worden. Zoointern werde es jedoch eine Trauerfeier für die Tiere geben.

Wann öffnet der Zoo wieder?

Zoosprecherin Schwinn sagte, man werde den Krefelder Zoo voraussichtlich am Freitag wieder für Besucher öffnen. Die Überreste des Affenhauses würden nach dem Ende der Ermittlungen abgerissen. Der Brandort werde mit Absperrungen versehen, um Katastrophentourismus so weit wie möglich zu verhindern.

Mit Material von dpa