Kriminalität Hochgradig abgeschottet

Spezialeinheiten, Denunziation, Sonderstrafkammern: Neue und nicht ganz so neue Vorschläge für den Kampf gegen neue und nicht ganz so neue verbrecherische Parallelgesellschaften.

Herbert Reul mit Polizisten bei der Razzia in einer Shisha-Bar
Bernd Thissen / DPA

Herbert Reul mit Polizisten bei der Razzia in einer Shisha-Bar

Eine Kolumne von


Verfassungs-Experte

Herr Professor Wolffsohn, Experte für Gas-Pipelines, hat einen bemerkenswerten Aufsatz in der "NZZ" (24. April) geschrieben, in dem er - nach standesgemäßer Montesquieu-Referierung plus Erwähnung Platons - anhand zweier Beispiele seine sensationelle These "Die (deutsche) Judikative demontiert sich selbst" in die Salons warf: Der "vermeintliche Ewigkeitsanspruch" von Richtersprüchen sei "absurd", so schrieb der Nahost-Experte, was dadurch bewiesen sei, dass das Bundesverfassungsgericht zwei unterschiedliche "Kopftuchurteile" gefällt habe (der Experte für Elektromobilität meinte wahrscheinlich das Urteil des 2. Senats vom 24.9.2003 - 2 BvR 1436/02, und den Beschluss des 1. Senats vom 27.1.2015 - 1 BvR 1181/10), und außerdem dadurch, dass das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen den illegal abgeschobenen Gefährder/"Leibwächter" Sami A. zunächst zurückzuholen befahl und dann, auf der Grundlage neuer Tatsachen, doch nicht.

Hieraus folgt, so der Experte für persische Literatur, dass kein Richter (ein) Gott sei. Für diese brandneue Erkenntnis und die daraus folgenden staatsrechtlichen Probleme hat der Experte für Artilleriegranaten auch eine Lösung: "Was tun? Wo und wenn es einen Dissens zwischen Legislative, Exekutive und Judikative gibt, wäre ein Vermittlungsgremium zu bilden, dem das letzte Wort zustünde."

Ach, wenn das der Baron de La Brède de Montesquieu noch erlebt hätte! Bei schätzungsweise ein bis zehn Millionen Fällen im Jahr wäre allerdings zu fragen, ob bei jedem "Dissens" zwischen zwei Gewalten auch immer die dritte mitmachen müsste, oder ob es drei verschiedene "Zweiergremien" geben soll.

Das Vermittlungsgremium wäre mit Vermittlungs-Gremifikanten zu besetzen, die natürlich nicht "Richter" hießen, sondern "Letztes-Wort-Haber". Sie würden auch nicht Rechtsfälle nach Rechtsregeln entscheiden, sondern einfach nur das letzte Wort haben. Das Ganze müsste man in einem "Gesetz über Vermittlungsgremien bei Dissensen zwischen Staatsgewalten" regeln und in die Verfassung integrieren, hinter den Abschnitt über das Bundesverfassungsgericht.

Für den Fall, dass eine der Gewalten sich dann nicht daran halten würde (zum Beispiel indem sie fälschlich behauptet, es läge gar kein Dissens vor), müsste man allerdings noch ein Gremium schaffen, das aus den beiden anderen besteht und das "allerletzte" Wort hat. Falls auch das nicht klappt, könnte vielleicht der Bundespräsident einspringen, dem das Recht des "endgültig letzten Wortes" zukäme (ius arbitrii ultissimi benedicti). Wenn er sich weigert, den Schwachsinn mitzumachen, muss er durch ein Gremium emeritierter Historiker ersetzt werden. Mehr fällt mir auf dem Analyseniveau des Experten für Währungspolitik im Moment nicht ein.

Parallelgesellschaften

Der "FAZ" ist am 24. April aber doch noch was für einen 160-Zeilen-Leitartikel auf Seite Eins eingefallen. Nämlich das Problem mit den Parallelgesellschaften. Das geht immer!

Parallelgesellschaften sind, wie jedes Kind weiß, ein Phänomen, das sich "mit der Werteordnung einer Demokratie nicht verträgt", erklärt uns der studierte Slawist Markus Wehner. Interessante These! Ist sie mit den Indologen abgesprochen? In Indien, dem als "größte Demokratie der Welt" gefeierten Staat (Demokratie-Index Platz 41), gibt es unter den 1.300 Millionen Menschen nämlich so viele Parallelgesellschaften, dass einem deutschen Soziologen ganz schwindelig wird.

Und was genau beinhaltet eigentlich die "Werteordnung" einer Demokratie? Andere nicht totschlagen? Kinder nicht sexuell missbrauchen? Freunde beschützen? Der Präsident von Russland bekennt sich gern zu dieser Ethik, gilt der "FAZ" aber trotzdem nicht als völlig lupenrein. Herr Wehner wiederum weist auf eine besonders skrupellose Missachtung der mitteleuropäischen Werteordnung hin, welche den kriminellen Parallelgesellschaften eigen ist: "Die liberale Gesellschaft wird ausgenutzt, um sich zu bereichern."

Anders gesagt: Kriminelle schließen sich zu parallelgesellschaftlichen, hochgradig abgeschotteten Netzwerken zusammen, die patriarchalisch-hierarchisch organisiert sind und das Eindringen Außenstehender durch ein ausgeklügeltes System von Kontrollen, Belohnungen, Drohungen und Abhängigkeiten verhindern. Über ein internationales Netzwerk von Malta über die Caimans bis Zürich sollen in Deutschland pro Jahr einhunderttausend Millionen Euro aus den kriminellen Geschäften dieser integrationsunwilligen Gesellschaften erwirtschaftet und zur Bereicherung verwendet werden, ohne dass Herbert Reul davon jemals mehr als ein gelbes Spielzeugauto finden kann. Deutsche Polizeigewerkschaften brüten jahrelang über Geheimdokumenten (im Szene-Jargon "Panama Papers" oder "Geschäftsberichte" genannt) der Geheimgesellschaften, kommen aber zu keinen durchschlagenden Ermittlungserfolgen. Denn allzu oft stoßen sie an eine Mauer des Schweigens, und ganze Scharen hochbezahlter Szeneanwälte sorgen dafür, dass die Verfahren vor den Spezialstrafkammern der Gerichte im Nichts enden. Die Hintermänner feiern rauschende Gelage in Sternerestaurants; anrückende Ordnungskräfte der Schutzpolizei werden von Vorzimmerherren provoziert oder in erniedrigende Warteschleifen eingespeist.

Herbert Reul
DPA

Herbert Reul

Gewiss hat die "FAZ" völlig recht, wenn sie darauf hinweist, dass eine solch eklatante Missachtung aller Werte, für die Adam Smith und Ludwig Erhard stehen, für einen modernen Rechtsstaat unter keinen Umständen hinnehmbar ist!

Und auch hierauf muss hingewiesen werden: Mitten in Deutschland hat, vom Rechtsstaat unbehelligt und von den Polizeibehörden bewusst oder unbewusst ignoriert, über Jahrzehnte eine Parallelgesellschaft ihr Wesen treiben können, die, soweit erkennbar, die Begehung schlimmer Verbrechen erstens strukturell gefördert und zweitens systematisch und vorsätzlich vertuscht hat. Sie stützt einen biologistischen, menschenrechtsfernen Männerkult auf eine mittelalterliche Ideologie, ist patriarchalisch-hierarchisch organisiert und wird von mächtigen Paten geleitet, die zu nationalen und internationalen Netzwerken verbunden sind. Bevorzugt unreifen jungen Männern werden in entwürdigenden Aufnahmeritualen (Kriechen auf dem Boden; Offenbaren der intimsten Gedanken gegenüber den Anführern usw.) Treueschwüre und Versprechen lebenslanger Unterwerfung abverlangt. Sie werden stigmatisierenden Kleidungsregeln unterworfen und müssen sich bedingungslos einer mittelalterlichen Paralleljustiz ausliefern, die keinem aufgeklärten Mitteleuropäer verständlich ist. Im Gegenzug gewährt ihnen die "Bruderschaft" Schutz vor Verfolgung auch bei schweren Verbrechen, proportional zum Maß ihrer Unterwerfung. Wer sich der Organisation entziehen will, fällt sozial ins Bodenlose.

Die meisten Mitglieder dieser Parallelgesellschaft sind sozial harmlos. Vier bis fünf Prozent von ihnen aber - also überproportional viele - begehen Sexualdelikte an Kindern. Der kriminelle Gehalt dieser Taten ist durchweg hoch, weil die Opfer den Tätern in besonderer Weise ausgeliefert sind. Denn die Tätigkeit der Organisation ist auf emotionale und intellektuelle Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet und baut planmäßig ein hohes psychisches Angst- und Abhängigkeitspotenzial auf.

Der Anteil homosexueller Täter ist deutlich überdurchschnittlich, daher auch der Anteil von männlichen Kindern unter den Opfern (15 Prozent der Täter sind schwul, 28 Prozent weisen pädophile Störungen auf). Ob die genannte Parallelgesellschaft - es handelt sich um die Kleriker der katholischen Kirche - potenzielle Täter anzieht oder erst hervorbringt, ist eine interessante kriminologische Frage. Ich tendiere zur ersten Variante, da ich vermute, dass nicht der Zölibat die Vergewaltigung von Knaben zur Folge hat, sondern dass gerade Menschen, die (auch) Probleme mit eigenen sexuellen Abweichungen haben, von organisatorischen Strukturen angezogen sind, die ihnen "Heilung" durch Askese in Aussicht zu stellen scheinen. Das dürfte hier nicht anders funktionieren als in ähnlichen Organisationen.

Seit Herbst 2018 liegt eine überaus interessante Veröffentlichung einer Gruppe von Wissenschaftlern zu dieser partiell kriminellen Parallelgesellschaft vor. Sie heißt: "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" - abgekürzt: MHG-Studie. Sie ist 366 Seiten stark, kostenfrei als PDF-Datei zu beziehen und nicht schwer zu lesen. Besonders bedrückend ist, dass die Organisation offenkundig mit hohem Aufwand die Aufdeckung vieler Tausender von Taten verhindert oder erschwert, Beschuldigte geschützt und Tatopfer systematisch erniedrigt hat. Nur ein verschwindend geringer Teil der Taten wurde den Strafverfolgungsbehörden überhaupt bekannt: Die Studie fand nur 1670 Beschuldigte in mehr als 50 Jahren; nur in 250 Fällen wurden Strafverfahren geführt, die nur in 77 Fällen zu (meist milden) Verurteilungen führten.

Eine absolut skandalöse Bilanz jahrzehntelangen Versagens also. Nachdem zunächst fast ausschließlich die Anführer der Organisation - nicht selten mit eigener Verstrickung - mit allerlei "Entschuldigungs"-Gerede hervortraten, warten wir nun auf die Kampagnen und Aktionsprogramme der Bürgermeister, Innenminister und Parteien zur Bekämpfung der Priesterkriminalität. Vorerst lasen wir, von der Beschlagnahme von Kirchenakten werde abgesehen, weil dies die Sensibilität von Bischöfen und Generalvikaren übermäßig belaste.

Zigeunerjunge (Alexandra, 1967)

Ich zitiere aus einem Bericht der "Welt" vom 27.10.2017:

"Die slowakische Polizei soll Kriminalität künftig nach einem speziell auf die Roma-Minderheit ausgerichteten Programm bekämpfen. Das kündigte Innenminister Robert Kalinák an (...) Die ethnische Festlegung 'Roma-Kriminalität' oder 'Zigeuner-Kriminalität' hatten in der Slowakei bisher nur Rechtsextremisten verwendet. Dementsprechend hat Kalináks Parteitagsrede (…) für Empörung in Menschenrechtskreisen gesorgt: Statt offen über die Ursachen von Armutskriminalität zu reden, gebe man ihr einen ethnischen Stempel."

Ja, liebe deutsche Leser, so geht es zu in der Slowakei, dem demokratischen Staat im Osten der EU! Die Probleme mit den biologischen und ethnischen Parallelgesellschaften sind aber auch uns wertegeleiteten Mitteleuropäern nicht so fern, wie man es gelegentlich glauben mag. Deshalb hat sich nun ein deutscher Verein die ex-jugoslawische Initiative zum Vorbild genommen und unter dem Titel "Bekämpfung der Zigeunerkriminalität" rechtzeitig zur Europawahl einen Vorschlag für ein Aktionsprogramm entworfen. Das "Positionspapier" genannte Manifest wurde mir zugespielt. Ich zitiere:

"Zigeunerkriminalität ist die Begehung von Straftaten durch Angehörige ethnisch abgeschotteter Subkulturen. Sie ist bestimmt von verwandtschaftlichen Beziehungen, einer gemeinsamen ethnischen Herkunft und einem hohen Maß an Abschottung der Täter. (…) Dies geht einher mit einer eigenen Werteordnung. (…) Im Bereich der Drogenkriminalität entwickeln einige beschuldigte Zigeuner keinerlei Unrechtseinsicht (…).

Indikatoren für Zigeunerkriminalität sind: Starke Ausrichtung auf patriarchalisch-hierarchische Familienstrukturen, mangelnde Integrationsbereitschaft und räumliche Konzentration (…) Als besonderes Bedrohungspotenzial haben sich Zigeunergruppierungen herausgestellt, die als so genannte Sinti und Roma nach Westeuropa gelangten. Mehr als die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsangehörigkeit (…).

Charakteristika dieser Volksgruppe: Die Volksstämme der Zigeuner sind patriarchalisch geprägt. Die damit verbundenen Stammeshierarchien werden auch in Westeuropa aufrechterhalten und gelebt (…) Auch die Heiratsregeln werden weitergelebt. Eheschließungen erfolgen in der Regel innerhalb der Großfamilien. Ein weiteres Charakteristikum ist das sehr stark ausgeprägte und aus mitteleuropäischer Sicht vollkommen fehlgeleitete Ehrverständnis (…) Streitigkeiten werden häufig durch Schlichter innerhalb der Volksgruppe geklärt. Dies ist für den modernen Rechtsstaat unter keinen Umständen hinnehmbar. (…) Gerichtliche Verurteilungen oder Haftstrafen werden innerhalb der Zigeunerfamilien nicht negativ bewertet. Verurteilungen werden oft pauschal als ungerecht empfunden (…).

Es ist festzustellen, dass die einheimische Bevölkerung durch aggressives Auftreten, Ordnungsstörungen und Straftaten (behelligt wird). Bei den auffälligen Personengruppen, die sich in der Regel über die Zugehörigkeit zu einem Familienverband definieren, handelt es sich überproportional um Angehörige der genannten Volksgruppen. Die Politisch Verantwortlichen verschließen seit Jahrzehnten bewusst oder unbewusst die Augen vor dem Problem (…).

Wir schlagen folgende Maßnahmen zur Bekämpfung der Zigeunerkriminalität vor:

  • Einrichtung spezialisierter Polizeieinheiten zur Bekämpfung der Zigeunerkriminalität
  • Vernetzung von Polizei, Staatsanwaltschaft, Verwaltungsbehörden, Jobcentern, Stadtverwaltungen, Schulen usw.
  • Zigeunerspezifische Sammlung aller relevanten Daten, insbesondere auch von Sozialversicherungsträgern, Krankenkassen, Gewerbe-, Führerschein- und Grundbuchregistern
  • Ausweitung der datengestützten Überwachungssysteme
  • Meldepflicht von Schulen auch bei geringfügigen Auffälligkeiten von Zigeunerkindern
  • Einsatz des Verfassungsschutzes und von V-Personen zur Aufklärung von Zigeunerstrukturen; Einschränkung des Legalitätsgrundsatzes
  • Personenbezogene Schwerpunktermittlungen mit dem Ziel, Haftbefehle zu erlangen
  • Einführung anonymer Hinweissysteme zur Anzeige von Zigeunerkriminalität
  • Überprüfung des Sorgerechts von Zigeuner-Eltern
  • Erstellung eines bundesweiten, einheitlichen detaillierten Lagebilds auf der Grundlage bundeseinheitlicher Polizeigesetze
  • Einrichtung spezieller Strafkammern für Zigeuner-Kriminalität bei den Landgerichten (...)."

Soweit, liebe Leser, das Papier des Vereins aus Berlin. Bitte lassen Sie es auf sich wirken. Und bedenken Sie dabei: Es kann sich auf ein Urteil des IV. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1955 stützen (IV ZR 211/55), in dem es unter anderem hieß:

"Zigeuner neigen, wie die Erfahrung zeigt, zur Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien, es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung von fremdem Eigentum, weil ihnen wie primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb zu eigen ist."

Erst - aber immerhin - im Jahr 2016 hat der Bundesgerichtshof sich aufgerafft, sich für diese schändliche Rechtsprechung zu entschuldigen ("Doppeltes Unrecht - eine späte Entschuldigung". Gemeinsame Publikation des Bundesgerichtshofs und des Zentralrats der Sinti und Roma, 2017).

Geständnis

Nun muss ich Ihnen, Leser, ein Geständnis machen: Das "Positionspapier", aus dem ich (verkürzt, aber ohne Verfälschung) zitiert habe, gibt es tatsächlich, und die Zitate sind auch fast richtig. Ich habe allerdings aus purem Mutwillen die Begriffe "Zigeuner" und "Sinti und Roma" eingefügt, die dort gar nicht vorkommen. Tatsächlich heißt die Broschüre nämlich "Bekämpfung der Clankriminalität", und statt "Zigeuner" muss es richtig heißen: "Mhallamiye-Kurden" (oder, unter uns Fachleuten: "M-Kurden"), kurz gesagt: "Arabische Clans". Verabschiedet wurde das Papier im April 2019 von dem Verein "Bund deutscher Kriminalbeamter e.V." (BDK).

Ach so! Ja dann! Jetzt wissen wir jetzt, wie der Slawistik-Experte Wehner von der "FAZ" darauf kam, uns auf Seite Eins zwei Spalten lang Leerformeln und Tautologien mitzuteilen, die jeder schon 20-mal gelesen hat. Einschließlich der drei Beweisfälle für das Treiben der "Clankriminalität": "Goldmünze", "Tötungsdelikt in Britz" sowie "Beerdigung eines Clanchefs". Steht alles in der Einleitung zur BDK-Broschüre. Nur dass es "in den letzten Monaten" passiert sei, hat Herr Wehner ein bisschen dazugeflunkert. Aber was soll's? Leider hat er auch vergessen zu erwähnen, dass die beiden Clanverbrechen, von denen er berichtet, noch gar nicht abgeurteilt sind. Das schreibt der BDK aber auch nicht.

Sehr schön ist auch der BDK/Wehnersche Hinweis, dass "in Berlin und Nordrhein-Westfalen Delikte aus den Reihen der Clans ein Viertel aller Ermittlungen in der organisierten Kriminalität nach sich (ziehen)." Ob das den Umfang der genannten Delikte, die Beschränktheit des polizeilichen OK-Begriffs oder die Unwilligkeit oder Unfähigkeit der Polizei belegen soll, andere Delikte zu verfolgen, wissen die Götter. Es handelt sich also um einen klassischen Fall von Propaganda-Trick.

Nun ja. Ein Slawist muss ja nicht schlauer sein als ein Kommissar. Aber ein kleiner Quellen-Hinweis wäre schon nett gewesen, für die klugen Köpfe!

Abspann

Erinnern Sie sich an den Innenminister (2010 bis 2017) von Nordrhein-Westfalen, Groß- und Außenhandelskaufmann Jäger? Er wurde berühmt dadurch, dass ihn die CDU-Fraktion gefühlt einmal wöchentlich als "Sicherheitsrisiko" schmähte, er aber von der Parallelgesellschaft der SPD bis zum bitteren Ende von Frau Landesmutter durchgehalten wurde, "HoGeSa", "Sylvester 2015" und "Rainer Wendt" zum Trotz. Jetzt ist Herr Reul von der CDU Innenminister. Er beschlagnahmt, so lange seine Gesundheit es mitmacht, nachts Haschisch und geschmuggelten Tabak in Shisha-Bars. Durch diese knallharten "Null-Toleranz"-Nadelstiche treibt er die Bosse der M-Kurden entweder in die Integration oder in die Verzweiflung. Wir sind zuversichtlich, dass schon bald das Nadelstichprogramm gegen die anderen oben erwähnten Clans beginnt. Der Minister wird jeden Stein umdrehen, bis jeder klerikale Kindervergewaltiger auf der Titelseite der "WAZ" und des "Express" steht.

Man muss auch mal Vertrauen haben! Deshalb will ich mit dem österlichen Interview von Herrn Ganzke schließen, innenpolitischer Sprecher der SPD in NRW (DLF vom 14.4.2019):

Seine wichtigste These: "Reul ist zu einem Sicherheitsrisiko geworden. (Sein) Rücktritt ist notwendig, damit die Bevölkerung wieder Vertrauen in die Aufklärungsarbeit der Polizei erreicht (...)."

Frage: Was muss denn in Lügde passieren, dass das Vertrauen der Bevölkerung wieder zunimmt?

Antwort: Erst mal muss in Lüdge passieren, dass dort auch noch anders kommuniziert wird. (...) Wir haben - und das sage ich auch ganz klar - gesagt, wir haben in die Aufklärungsarbeit von Staatsanwaltschaften hier in Nordrhein-Westfalen, von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten immer noch großes Vertrauen, und das haben wir auch, ohne Wenn und Aber.

Frage: Trotz der Pannen haben Sie immer noch Vertrauen?

Antwort: Ja! Ich sage es ganz deutlich, auch als Mitglied des Innenausschusses: Wir müssen dieses Vertrauen auch noch haben. Denn wenn dieses jetzt abhanden geht, da will ich gar nicht drüber nachdenken, was passiert. (...)

Frage: Was ich nicht verstehe: Sie kritisieren den Innenminister dafür, dass er die Lage bei der Polizei nicht im Griff hat, sagen aber selber, Sie vertrauen nach wie vor. Noch einmal: Worauf gründen Sie Ihr Vertrauen, Herr Ganzke?

Antwort: Das Vertrauen gründen wir darauf, dass es 40.000 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte in Nordrhein-Westfalen gibt. Und wir können es überhaupt nicht tun und wir machen es auch nicht, alle Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte unter einen Generalverdacht zu stellen. (...)

Das erscheint uns total überzeugend. Wir vertrauen Herrn Rechtsanwalt Ganzke schon deshalb, weil wir es nicht tun, ihm nicht zu vertrauen, und weil es viele Rechtsanwälte in Düsseldorf gibt. Es ist also ganz klar, dass Herr Ganzke nicht zurücktreten muss.



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heinz k 26.04.2019
1. Wieder einmal ein toller tausend Themen Report ....
... zu dem kein Forist in zwei Zeilen antworten kann , selbst wenn er nicht " persische Literatur " studiert hat . Wobei gleich die Frage aufkommt , wieso jemand der viele andere Dinges gelernt und studiert hat , deshalb automatisch z.Bsp. fuer die Juristerei disqualifiziert ist ? In der persischen Literatur des 13 Jh. wurden bereits viele Fragen aufgeworfen , die uns heute noch beschaeftigen . Aber jetzt ein Kommentar zu " einem " der Themen : Diskrepanz zwischen Gesetzgeber und dem Richter der mal buchstabengetreu , mal sehr frei interpretierend urteilt . Hier liegt der Ball meiner Meinung beim Gesetzgeber .Der muss seine Gesetze eben gegebenenfalls klarer definieren , ansonsten hat natuerlich der Richter das letzte Wort . Nochmal eine Frage zum VG - Wieso gibt es beim Strafgericht " Schoeffen " trotz des unglaublich komplizierten Themas , bei der Verfassung traut man aber nur studierten Richtern zu dies beurteilen zu koennen , dabei ist das Buechlein , in fuer Juristen voellig ungewohnt , kurzen verstaendlichen Texten geschrieben . Hier beim VG waere doch zumindest 1 Laie auf 2 studierte Richter eine gewisse Gewaehr dafuer das auch die Lebenserfahrung von " draussen " nicht aussen vor bleibt !
noalk 26.04.2019
2. Slowakei und Slowenien
Robert Kalinák ist slowakischer Politiker, soweit richtig. Zitat aus der Kolumne: "Ja, liebe deutsche Leser, so geht es zu in Slowenien, dem demokratischen Staat im Osten der EU!". Hier hat Herr Fischer offensichtlich die Slowakei mit Slowenien verwechselt. Das sollte so nicht stehenbleiben. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. K. Bonte/Redaktion
practicus 26.04.2019
3. Wieder einmal
so ein "Empörungsaufsatz" weil es jemand wagt, die Regeln der "political correctness" zu missachten... Fragen Sie doch einmal die Sozialarbeiter, zu deren Klientel diese Gruppen gehören! Es ist nun einmal so, dass in bestimmten Ethnien eine Sozialisierung nach alten Traditionen erfolgt, die der Mehrheitsgesellschaft fremd sind. Wenn Kinder für erfolgreiches Klauen ("Hausieren") belobt statt bestraft werden, wenn es wichtiger ist, ein(e) gute(r) Dieb(in) zu werden, als Lesen und Schreiben zu lernen, ist das mit den Regeln der Zivilgesellschaft unvereinbar. Die modernen Staaten zeichnen sich dadurch aus, dass Minderheiten im Staatsvolk idealerweise aufgehen - was alledings mit dem Verlust der Identität als "etwas anderes, besonderes, "besseres" verknüpft ist. Eine Politik, die jeden Tag neue Gruppen als "schützenswerte Minderheit" mit besonderen Schutzrechten definiert, verfestigt hingegen diese Familienstrukturen mit speziellen Traditionen - bedeutet doch der Verlust der Zugehörigkeit zu eine "Minderheit" einen Verlust besonderer Rechte, die "Normalbürger" nicht haben
Thomas Fischer (SPON-Kolumnist) 26.04.2019
4. Zu Nr. 1
Ja, irgendwie haben Sie Recht. Obwohl ich - sorry! - den Verdacht habe, dass Sie noch nicht wirklich ganz verstanden haben, was gemeint ist. Andererseits muss man sagen, dass ja auch kein Leser verpflichtet ist, sich in einen Foristen zu verwandeln und innerhalb von 20 Minuten in zwei Zeilen zu antworten. - Und dann könnte man auch noch sagen, dass heutzutage bestimmt niemand nicht alles wissen und studieren kann. Was auch gar nicht verlangt werden kann oder gar verlangt wird, am allerwenigsten von mir. Aber wer noch keine Säge in der Hand hatte, sagt der Schreiner, soll nicht meinen, er wisse alles über das Möbelbauen. Das gilt sogar dann, wenn man schon zweimal mit einem 6er Inbus zwei vorgebohrte mitteldichte Faserplatten zusammengedengelt hat. - TF
syracusa 26.04.2019
5. ohne Schirrmacher keine FAZ
Auf die Teile der Kolumne, die mit Artikeln und Autoren aus der FAZ zu tun haben, kann ich bestätigend antworten: Ja, ein kluger Kopf liest die FAZ nicht mehr, seit Schirrmacher von uns gegangen ist. Teilweise liest die FAZ sich heute, ohne das korrigierende Feuilleton Schirrmachers, wie das Parteiblatt der AfD.
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