Kriminalität Polizei findet Thomas Wolfs Beute

Ermittlungserfolg in der Nähe von Hamburg: In einem Wald in der Nordheide haben Polizisten das Lösegeld ausgegraben, das Thomas Wolf von einer Wiesbadener Bank erpresst hatte. Der inhaftierte Schwerverbrecher verriet das Versteck selbst.


Hamburg - Das von dem Schwerverbrecher Thomas Wolf von einer Wiesbadener Bank erpresste Lösegeld ist gefunden. Es wurde nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft in einem Wald bei Egestorf (Nordheide) ausgegraben. Wolf habe das Versteck nach längerem Schweigen verraten. Die genaue Summe des gefundenen Geldes steht noch nicht fest. Ursprünglich waren es 1,8 Millionen Euro.

Die Ermittler fanden in dem Versteck zwei nicht näher beschriebene Behältnisse und einen Aluminiumkoffer, in denen das Lösegeld sein dürfte, wie die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden mitteilte. Letzte Sicherheit darüber müssten noch kriminaltechnische Untersuchungen bringen, sagte der Sprecher, Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse. Das gelte auch für die Frage, wie viel der ursprünglich 1,8 Millionen Euro Lösegeld in dem Versteck lagen. Die Summe hatte Wolf von der Wiesbadener Volksbank erpresst, indem er die Frau eines Bankangestellten entführte.

"Damit ist einer der spektakulärsten Fälle der jüngeren Kriminalgeschichte erfolgreich zu einem vorläufigen Abschluss gekommen", zeigte sich Ferse zufrieden. Die Suche nach dem Versteck hatte sich allerdings trotz der Hilfe des Entführers zunächst als schwierig erwiesen. Wolf hatte sich einen Baum als entscheidende Landmarke eingeprägt. Den gebe es aber inzwischen nicht mehr, berichtete Ferse. Daher konnte Wolf zunächst den genauen Ort seines Depots nicht finden. Eine systematische Suche der Fahnder brachte dann aber den Erfolg. Bei der Untersuchung der Fundstücke geht es auch um die Frage, ob es Spuren gibt, die nicht von Wolf stammen.

Wolf war der meistgesuchte Verbrecher Deutschlands, bis er Ende Mai vor einer Kneipe auf der Hamburger Reeperbahn von der Polizei gefasst wurde. Eine Frau hatte den Hinweis auf Wolfs Aufenthalt gegeben.

Thomas Wolf hatte seit seinem 15. Lebensjahr eine Straftat nach der anderen begangen. Er saß von 1981 bis 2000 in mehreren Gefängnissen - und gilt als Ausbrecherkönig: 1982 gelang ihm aus einer Gefängnisklinik die Flucht, 1988 entkam er aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Gütersloh, 1989 türmte er aus der JVA Geldern.

Silvester 1999 bekam er Hafturlaub - und kehrte am Neujahrstag nicht ins Gefängnis von Moers-Kapellen in Nordrhein-Westfalen zurück, wo er unter anderem wegen Bankraubs eine Gesamtstrafe von 21 Jahren hätte verbüßen sollen. Kurz darauf überfiel er eine Commerzbank am Paul-Nevermann-Platz in Hamburg-Altona und erbeutete 250.000 Euro.

Seither fahndete die Polizei mit internationalem Haftbefehl nach Wolf - bis zu seiner Verhaftung Ende Mai in Hamburg.

sta/dpa



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