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16. Mai 2012, 14:06 Uhr

Kriminalitätsstatistik

Erstmals seit Jahren mehr Straftaten

Die Zahl der registrierten Straftaten in Deutschland ist gestiegen - zum ersten Mal seit sieben Jahren. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote laut Kriminalitätsstatistik gesunken. Die Polizeigewerkschaft macht "völlig verfehlte Sparmaßnahmen" verantwortlich.

Berlin - In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 5,99 Millionen Straftaten registriert - ein Zuwachs von einem Prozent im Vergleich zu 2010. Dies geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Die Aufklärungsquote ist demnach von 56 auf 54,7 Prozent gesunken.

Schuld an der Entwicklung sind nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) "völlig verfehlte Sparmaßnahmen bei der Polizei". Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte vor allem den Wegfall der Grenzkontrollen Ende 2007 als Ursache des Anstiegs.

Unter den Straftaten dominieren wie in den Vorjahren Diebstahldelikte mit einem Anteil von 40,1 Prozent an der Gesamtkriminalität. Dies bedeutet einen Anstieg um 4,4 Prozent. Besonders deutlich zugenommen haben im Jahresvergleich Wohnungseinbrüche mit einem Plus von 9,3 Prozent. Die Aufklärungsquote betrug hier lediglich 16,2 Prozent. Stark zugenommen haben auch Fahrraddiebstähle mit 7,2 Prozent.

Die Zahl der erfassten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern ist 2011 erneut gestiegen - um 4,9 Prozent. Experten gehen dabei von einer hohen Dunkelziffer aus. Mit einem Plus von 23,3 Prozent hat auch der Besitz und die Beschaffung von Kinderpornografie massiv zugenommen.

Rückgang von Wirtschaftskriminalität

In einigen Bereichen verzeichnet die Statistik jedoch auch einen Rückgang: Beispielsweise ist die Zahl der Gewalttaten gesunken, ebenso die Zahlen für Auto- und Ladendiebstähle. Die Wirtschaftskriminalität sank um 22,7 Prozent. Auch die Verbreitung pornografischer Schriften über das Internet ging um 2,1 Prozent zurück.

Die neuesten Zahlen ändern nichts daran, dass langfristig ein deutlicher Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen und die Aufklärungsquote angestiegen ist: Seit 1993 sind die erfassten Straftaten um 11,3 Prozent zurückgegangen, die Aufklärungsquote lag damals noch bei 43,8 Prozent.

Bei der jüngsten Kriminalitätsstatistik wurden regional große Unterschiede ermittelt: Das Bundesland mit der geringsten Kriminalität ist wieder Bayern, wo es im Vergleich die wenigsten Straftaten gab (4969 pro 100.000 Einwohner). Dahinter folgt Baden-Württemberg. Die meisten Straftaten gab es in Berlin, gefolgt von den anderen beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Unter den Großstädten hat München die geringste Kriminalitätsrate, Frankfurt am Main die höchste.

Bereits vor der offiziellen Vorstellung waren Informationen aus einzelnen Bereichen der Statistik bekannt geworden. Demnach wurden 2011 etwa mehr als doppelt so viele Ecstasy-Tabletten sichergestellt wie 2010.

aar/dpa/Reuters

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