München Oberlandesgericht weist Klage im Kuhglockenstreit zurück

Ein Ehepaar aus Bayern fühlt sich durch den ständigen Lärm von Kuhglocken belästigt und zog deshalb mehrfach vor Gericht. Dort musste der Mann nun erneut eine Niederlage akzeptieren.

Eine Milchkuh leckt an einer Kuhglocke, die in einem Viehstall hochgehalten wird
DPA

Eine Milchkuh leckt an einer Kuhglocke, die in einem Viehstall hochgehalten wird


Die Kuhglocken im oberbayerischen Holzkirchen dürfen weiter bimmeln: Das Oberlandesgericht (OLG) München hat die Klage eines Anwohners zurückgewiesen. Seit Jahren fühlt sich ein Ehepaar von den Kuhglocken auf der angrenzenden Weide einer Bäuerin gestört und will gerichtlich ein Ende des Gebimmels erreichen.

Der Ehemann und später auch seine Ehefrau waren in getrennten Prozessen in erster Instanz vor dem Landgericht München II gescheitert. Der Mann war in zweiter Instanz vor das OLG gezogen - und verlor erneut.

Der Rechtsstreit sorgt auch für Aufmerksamkeit in der bayerischen Politik. "Es ging bei diesem Streit um grundsätzlich mehr als um vermeintlichen Lärm", teilte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) mit, zu deren Stimmkreis auch Holzkirchen gehört. "Hier geht es um das Miteinander von Alteingesessenen und Hinzugezogenen. Wer privilegiert im Oberland leben möchte, sollte auch die Lebensgepflogenheiten der Menschen hier akzeptieren." Klagen gegen Kirchenlärm, Kuhglocken oder das Krähen von Hähnen trieben einen Keil zwischen Alteingesessene und Neubürger. "Zu unserer ländlichen Lebensart gehört die Kuh auf der Weide - samt Kuhglocke."

Gericht hatte eine richterliche "Schlafprobe" ins Spiel gebracht

Das Gericht hatte in der Verhandlung im Februar auch eine richterliche "Schlafprobe" ins Spiel gebracht: Wenn sich Ehepaar und Bäuerin nicht einigen könnten, müsse man womöglich die Sache selbst in "Augen- und Ohrenschein" nehmen, sagte der Vorsitzende Richter Johannes Nagorsen damals.

Da es um die Nachtruhe gehe, würde es darauf hinauslaufen, "dass wir mit oder ohne Sachverständigen dort eine Nacht verbringen". Das Ehepaar hätte auch eine Übernachtung möglich gemacht. Doch das Gericht kam darauf nun nicht mehr zurück.

Beide Eheleute waren in ihren getrennten Verfahren in erster Instanz vor allem wegen eines vom Ehemann 2015 mit der Bäuerin geschlossenen Vergleichs gescheitert. Demnach dürfen nur im entfernteren Teil der Wiese mit gut 20 Metern Abstand Kühe mit Glocke grasen. Daran hält sich Bäuerin Regina Killer. Dem Ehepaar war es aber weiter zu laut.

bam/dpa



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