Kunstfehler-Prozess Schönheitschirurg muss mit Haftstrafe rechnen

Ein plastischer Chirurg, dem bei einer Fettabsaugung ein Patient verstorben war, muss nun mit einer hohen Haftstrafe rechnen. Ein milderes Urteil hob der Bundesgerichtshof auf - und verwies das Verfahren zurück ans Landgericht Halle.


Karlsruhe - Die bisherige Verurteilung des Mannes zu zweieinhalb Jahren Haft erklärte der Bundesgerichtshof (BGH) heute für ungültig. Die Frau des Opfers strebt eine Verurteilung des aus dem Raum Halle stammenden Arztes wegen Körperverletzung mit Todesfolge an. Das Strafmaß dafür reicht von drei bis zehn Jahren Haft. Der Schönheitschirurg hatte seinem Patienten eine Überdosis an Narkosemitteln verabreicht. Der Mann war deshalb erstickt. (AZ: 4 StR 549/06)

Das Landgericht Halle hatte die milde Haftstrafe damit begründet, dass der Patient in die Behandlung eingewilligt habe. Der BGH bezeichnete diese Ansicht nun als "rechtsfehlerhaft". Eine Einwilligung in eine ärztliche Heilbehandlung könne sich grundsätzlich nur auf einen nach den Regeln der ärztlichen Kunst ausgeführten Eingriff beziehen.

Im vorliegenden Fall habe der Arzt aber gleich mehrfach gegen seine Sorgfaltspflichten verstoßen. Eine den Maßstäben der ärztlichen Kunst genügende Behandlung sei deshalb von vornherein nicht gewährleistet gewesen. Nun muss das Landgericht Halle über das Strafmaß erneut befinden.

jdl/AFP



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