Verdächtiger im Fall Kusel Andreas S. soll mehreren Personen Waffen überlassen haben

Einer der mutmaßlichen Polizistenmörder von Kusel gab seine Waffen offiziell an berechtigte Personen ab. Seit März 2020 besaß er keinen Jagdschein mehr.
Polizeiinspektion Kusel: Trauer um getötete Polizisten (Foto vom 4. Februar)

Polizeiinspektion Kusel: Trauer um getötete Polizisten (Foto vom 4. Februar)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Andreas S., der gemeinsam mit einem Komplizen in Rheinland-Pfalz zwei Polizisten getötet haben soll, hat seine Waffen offiziell bis Januar 2020 in mehreren Chargen an berechtigte Personen abgegeben. Das teilte der Landkreistag Saarland mit. Wem die Waffen überlassen wurden, werde im Rahmen des Verwaltungsverfahrens überprüft, schrieb Geschäftsführerin Susanne Schwarz auf SPIEGEL-Anfrage. Die Eintragung erfolge in der Waffenbesitzkarte der betreffenden Person. Ein Abgleich mit den nun aufgefundenen Waffen sei noch nicht möglich gewesen.

Der 38-Jährige habe seit März 2020 endgültig keinen Jagdschein mehr besessen. Mehrere seiner Waffen seien schon zuvor, im Jahr 2019, an Erwerbsberechtigte überlassen worden. Die letzte der auf ihn eingetragenen Waffen überschrieb er dann offenbar im Januar 2020. Nach diesem Zeitpunkt sei er offiziell nur noch in Besitz von Schalldämpfern inklusive Waffenbesitzkarten gewesen. Angaben der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern zufolge besaß S. zum Zeitpunkt der Tat keine Erlaubnis zum Besitz von Waffen und keinen Jagdschein.

Munition mit Namensgravur

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hatte sich der Mann im Saarland in den vergangenen Jahren mehrfach umgemeldet, seine letzte offizielle Wohnanschrift ist in Homburg/Saar. Tatsächlich lebte er mit Ehefrau und Kindern zuvor einige Jahre lang in einem Einfamilienhaus im saarländischen Spiesen-Elversberg. Dort fanden die Ermittler nach der Tat fünf Kurzwaffen, ein Repetiergewehr, zehn weitere Langwaffen, eine Armbrust sowie drei Schalldämpfer und Munition mit der Namensgravur von Andreas S. Am Ort der Festnahme im saarländischen Sulzbach stellten die Einsatzkräfte außerdem zwei weitere Waffen sicher, eine Schrotflinte und einen Einlader.

S. hat seit etwa 15 Jahren vor mehreren Gerichten und bei Behörden um den Erhalt seines Jagdscheines gekämpft, der ihn auch zum Besitz von Waffen berechtigt hatte. Der Schein sollte ihm bereits entzogen werden, nachdem er im Oktober 2004 einen anderen Jäger bei einer Hasenjagd schwer verletzt hatte. S. hatte damals offenbar ohne gute Sicht über das Gelände auf ein Ziel geschossen.

Anderen Jäger angeschossen

Nach SPIEGEL-Informationen verlor der andere Jäger dadurch fast ein Auge und wurde zudem am Hals sowie an der Brust verletzt. Bis heute leidet er unter einer verminderten Sehkraft am verletzten Auge. Der Landesjägermeister nannte das Verhalten von S. damals »grob fahrlässig«. 2006 wurde S. deshalb vom Landgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 90 Tagessätzen à 50 Euro verurteilt. Im März 2008 entzog ihm der Saar-Pfalz-Kreis das Waffenbesitzrecht. Danach wurde die Entscheidung durch saarländische Gerichte bestätigt.

Laut Landkreistag gab S. die auf ihn eingetragenen Waffen im Jahr 2008 an eine »berechtigte Person« ab. Dieser Erwerbsberechtigte müsse »zwingend sicherstellen, dass der frühere Besitzer keinen Zugriff mehr auf diese Waffen hat«, so der Landkreistag.

Nach Ablauf von Sperrfristen für Wiedererteilung eines Jagdscheines sei ein Jagdschein wieder beantragt und erteilt worden, erstmals im Juni 2012, zuletzt im April 2017, gültig bis März 2020. Danach sei kein Jagdschein mehr beantragt worden, teilte Schwarz mit.

Am 31. Januar waren nahe Kusel in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und ein 29-jähriger Oberkommissar erschossen worden. Als Tatverdächtige sitzen S. und der 32-jährige Florian V. wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlichen Mordes und der gewerbsmäßigen Jagdwilderei in Untersuchungshaft. Im Wagen, mit dem die beiden wohl unterwegs waren, wurden zahlreiche erlegte Wildtiere entdeckt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Verdächtigen mit den Morden die vorherige Wilderei verdecken wollten.

bbr/mab/dpa
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