Prozess um Polizistenmord Angeklagter soll Leichenfotos weitergegeben haben – Familie erstattet Anzeige

Andreas S. soll nahe Kusel zwei Polizisten erschossen haben. Die Familie der getöteten Polizeianwärterin hat den 39-Jährigen nun zusätzlich angezeigt – wegen »Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs«.
Polizeifahrzeug in der Nähe des Tatorts (31. Januar 2022)

Polizeifahrzeug in der Nähe des Tatorts (31. Januar 2022)

Foto: Ronald Wittek / EPA

Im Mordprozess um tödliche Schüsse auf zwei Polizisten Ende Januar in Rheinland-Pfalz hat Richter Raphael Mall eine Strafanzeige der Familie der getöteten Polizistin verlesen. Sie wirft dem Hauptangeklagten vor, im Gefängnis zwei Tatortfotos der getöteten Frau aus Ermittlungsakten weitergegeben zu haben. Dies sei »grob anstößiges und ungeheuerliches Verhalten«, zitierte Mall. Die Familie erstatte Anzeige wegen »Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten«.

Hauptangeklagter ist der 39 Jahre alte Andreas S. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er und der zweite Angeklagte Florian V. Jagdwilderei betrieben haben. Die Polizistin und ihr Kollege entdeckten die Männer demnach bei einer Verkehrskontrolle auf einer Kreisstraße. Der Anklage zufolge soll S. die Polizisten erschossen haben, um die Jagdwilderei zu vertuschen.

Am Montag machte V. vor Gericht erstmals ausführlich Angaben zur Person. Der 33-Jährige hatte bisher im Landgericht Kaiserslautern geschwiegen – nun antwortete er auf etwa 40 Fragen von Richter Mall. Darin schilderte der Saarländer eine schwierige Jugend nach der Scheidung seiner Eltern und einem zeitweiligen Umzug nach Italien.

Die mit Spannung erwarteten Fragen zur Tat konnte Mall nicht stellen: Ein wichtiger Gutachter fehlte wegen einer Coronaerkrankung. Die Staatsanwaltschaft wirft V. versuchte Strafvereitelung vor: Er habe beim Verwischen der Spuren geholfen.

Beim nächsten Verhandlungstag am kommenden Freitag sollen Sachverständige der Landeskriminalämter Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vernommen werden. Dafür werde der psychiatrische Sachverständige nicht benötigt, hieß es. Die weitere Aussage von Florian V. wird nun für den 28. September erwartet – vorausgesetzt, der Sachverständige kann dann wieder am Prozess teilnehmen.

wit/dpa/AFP
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