Polizistenmord in Kusel Staatsanwaltschaft klagt Andreas S. wegen Mordes an

Bei einer Fahrzeugkontrolle in Rheinland-Pfalz wurden im Januar zwei Polizisten getötet. Ihr mutmaßlicher Mörder muss sich demnächst vor Gericht verantworten.
Tatort bei Kusel (01.02.2022): Markierungen am Straßenrand

Tatort bei Kusel (01.02.2022): Markierungen am Straßenrand

Foto: Harald Tittel / dpa

Im Fall der bei Kusel in Rheinland-Pfalz erschossenen Polizisten hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen den mutmaßlichen Täter Andreas S. erhoben. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der 38-Jährige allein verantwortlich für den Tod der beiden Beamten gewesen sei, teilt die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern  mit.

Das Verfahren gegen den zuvor ebenfalls verdächtigten Florian V. sei bezüglich des Mordverdachts eingestellt worden. Ihm werde jedoch versuchte Strafvereitelung vorgeworfen. Er habe Andreas S. geholfen, Spuren der mutmaßlichen Morde zu beseitigen. Beiden Männern wird zudem gemeinschaftliche gewerbsmäßige Jagdwilderei zur Nachtzeit  vorgeworfen.

Am 31. Januar waren bei einer Fahrzeugkontrolle nahe Kusel (Westpfalz) ein Polizeikommissar, 29, und eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin erschossen worden.

S. soll die Polizistin und den Polizisten aus Habgier erschossen haben, um seine Wilderei zu vertuschen.

Bei der Kontrolle durch die Polizei habe er den Ermittlungen zufolge erst aus kurzer Distanz mit einer Schrotflinte auf den Kopf der Frau geschossen. Er sei dann davon ausgegangen, dass sie tot sei.

Anschließend habe er mit der Schrotflinte sowie einem Jagdgewehr auf den Polizisten geschossen, bis er ihn am Kopf getroffen und damit getötet habe.

Tatort in Kusel im Januar 2022

Tatort in Kusel im Januar 2022

Foto:

THILO SCHMUELGEN / REUTERS

Dann habe er die Polizistin nach »für ihn kompromittierenden Notizen« durchsucht und dabei festgestellt, dass sie noch am Leben gewesen sei. Er habe sie dann mit der Schrotflinte erschossen.

Die Staatsanwaltschaft wirft S. versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie zwei weitere vollendete Morde vor, außerdem Widerstand gegen und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

S. und V. waren wohl schuldfähig

Die Tatwaffen sollen der Ehefrau von S. gehört haben. Wie der 38-Jährige genau in den Besitz der Tatwaffen gekommen sei, sei Gegenstand eines laufenden Ermittlungsverfahrens gegen seine Ehefrau. Gegen sie werde wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt.

S. und V. sollen zum Tatzeitpunkt schuldfähig gewesen sein. Das belegen laut den Ermittlern psychiatrische Gutachten.

Lediglich die Wildereivorwürfe aus der Tatnacht seien Gegenstand der vorliegenden Anklage, so die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern. Wegen weiterer Wildereivorwürfe ermittele die Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegen S. und V.

Das Schwurgericht in Kaiserslautern entscheidet nun, ob es zum Prozess kommt. Andreas S. befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen Florian V. war im März aufgehoben worden.

ptz