Tödliche Schüsse auf Beamte Polizei fahndet öffentlich nach Tatverdächtigem

Die Polizei fahndet im Fall der zwei erschossenen Polizisten öffentlich nach einem Mann. Nach SPIEGEL-Informationen betreibt er einen Wildhandel.
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Michael Probst / AP

Aktualisierung: Mit der Festnahme des Verdächtigen ist die Grundlage für die Öffentlichkeitsfahndung entfallen. Wir haben die identifizierenden Angaben aus der Fahndung daher entfernt. Mehr zu den aktuellen Entwicklungen lesen Sie hier.

Die Polizei fahndet öffentlich nach einem Verdächtigen, der zwei Polizisten in der Nähe der Ortschaft Kusel in Rheinland-Pfalz erschossen haben soll. Der Mann ist laut Polizei der 38 Jahre alte Andreas S. Nach SPIEGEL-Informationen betreibt S. einen Wildhandel im etwa 50 Kilometer vom Tatort entfernten Neunkirchen und eine Bäckerei in Sulzbach, etwa 60 Kilometer südwestlich von Kusel. Er soll den Sicherheitsbehörden nicht als Extremist bekannt gewesen sein.

S. steht laut Polizei unter Tatverdacht, am Montagmorgen eine 24 Jahre alte Polizistin und einen 29-jährigen Polizisten erschossen zu haben. Er lebt in Spiesen-Elversberg, hat braune Haare und trägt einen Bart. Sein Aufenthalt sei derzeit unbekannt. Die Beamten fahnden unter anderem mit einem Polizeihubschrauber, Personenspürhunden und Spezialkräften nach dem Mann.

Am frühen Morgen hatten zuvor nicht näher benannte Täter bei einer Verkehrskontrolle die tödlichen Schüsse abgegeben. Die 24 Jahre alte Polizeianwärterin und der 29 Jahre alte Polizeibeamte konnten per Funk noch ihre Kollegen kontaktieren – mit den Worten: »Die schießen!«.

Nach SPIEGEL-Informationen hatten die Polizisten davor ihre Kollegen informiert, sie hätten totes Wild im Kofferraum des Wagens entdeckt. Der Polizist soll laut dpa am Tatort noch mehrere Schüsse abgegeben haben. Die Waffe seiner Kollegin kam offensichtlich nicht zum Einsatz.

Mehr als 50 Hinweise

Die tödlichen Schüsse fielen laut Polizei gegen 4.20 Uhr. Als die Verstärkung am Tatort ankam, sei die Frau bereits tot gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Ihr Kollege sei kurz nach Eintreffen der Rettungskräfte gestorben. Wie oft geschossen wurde, stand nicht sofort fest. Die Polizei ging davon aus, dass eine Obduktion angeordnet wird. Beide Opfer stammten aus dem Saarland.

Die Kreisstraße 22 war bei Mayweilerhof und Ulmet voll gesperrt. Am Tatort wurden Spuren gesichert. »Da wird im Moment auf dieser Straße jeder Stein umgedreht«, sagte eine Polizeisprecherin. Eine Beschreibung des vermutlich benutzten Fluchtfahrzeuges wurde nicht bekannt. Auch die Fluchtrichtung sei nicht klar, hieß es am frühen Nachmittag.

»Es gehen ganz viele Hinweise aus der Bevölkerung ein«, sagte die Polizeisprecherin. Diese bislang mehr als 50 Hinweise würden nach und nach ausgewertet.

Die Polizei bat die Einwohner, im Landkreis Kusel keine Anhalter mitzunehmen. Mindestens ein Tatverdächtiger sei bewaffnet. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sabrina Kunz, appellierte an die Bürger im Raum Kaiserslautern, am Montag auf Versammlungen gegen Corona zu verzichten, mit Rücksicht auf die schreckliche Tat und die Ermittlungen, für die viele Kräfte gebraucht würden.

Innenministerin Faeser: »Erinnert an eine Hinrichtung«

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz zeigten sich »zutiefst schockiert« über die tödlichen Schüsse. »Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen«, hieß es in einer Mitteilung der beiden SPD-Politiker in Mainz. Die Ministerpräsidentin ordnete Trauerbeflaggung im Land an. Für alle Streifenwagen des Landes ist Trauerflor vorgesehen. Auch andere Bundesländer folgten diesem Schritt für ihre Polizisten.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte: »Unabhängig davon, welches Motiv der Tat zugrunde liegt: Diese Tat erinnert an eine Hinrichtung, und sie zeigt, dass Polizistinnen und Polizisten jeden Tag ihr Leben für unsere Sicherheit riskieren.«

Auch aus CDU und von den Grünen kamen Worte der Anteilnahme. CDU-Chef Friedrich Merz sprach in Berlin den Familien und den Kolleginnen und Kollegen der Getöteten sein Beileid und sein Mitgefühl aus. Er dankte außerdem der Polizei für ihre Arbeit: »Sie tun jeden Tag für unser Land, für diese Gesellschaft, für die Menschen in Deutschland Ihren Dienst. Und wie wir in solchen Augenblicken feststellen müssen, ist dieser Dienst nicht ohne Gefahr. Herzlichen Dank dafür, dass Sie auch an einem so schweren Tag wie heute Ihre Arbeit tun.«

Der designierte Grüne-Vorsitzende Omid Nouripour sagte, die Tat sei »extrem bedrückend«. Polizisten leisteten ihren Dienst für das Allgemeinwohl und arbeiteten gerade in der Pandemie »Millionen Stunden und Überstunden«, sagte er. »Wenn sie bei Verkehrskontrollen so unter Lebensgefahr sind, ist das eine ganz, ganz schwierige Angelegenheit, und wir werden hoffentlich sehr schnell Erkenntnisse haben.« Den Hinterbliebenen drückte er sein Mitgefühl aus. »Ich glaube, wir sind alle bei ihnen und wissen, dass ihr Verlust unser aller Verlust ist.«

Auch die designierte Co-Parteichefin Ricarda Lang zeigte sich betroffen. »Heute haben zwei junge Menschen in Kusel, eine Polizistin und ein Polizist, im Dienst ihr Leben verloren. Wir sind alle erschüttert über diese Tat«, sagte sie. Der Schutz der Polizistinnen und Polizisten müsse »unser aller Anliegen« sein.

has/mgb/rol