Fahndung mit Spezialeinheiten Tödliche Schüsse auf Beamte – Polizei nimmt zwei Tatverdächtige fest

Im Fall der zwei erschossenen Polizisten haben Ermittler zwei Männer festgenommen. Das bestätigte eine Polizeisprecherin dem SPIEGEL. Dabei wurden auch Schusswaffen sichergestellt.
Foto:

Michael Probst / AP

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei junge Polizisten in der Pfalz sind noch am selben Tag zwei Tatverdächtige festgenommen worden. Spezialeinheiten der Polizei haben die 38 und 32 Jahre alten Männer im saarländischen Sulzbach gefasst, sagte eine Polizeisprecherin am Montagabend dem SPIEGEL. Die Fahndungsmaßnahmen liefen aber weiter, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass es noch weitere Mittäter gebe. Die beiden Männer seien Deutsche.

Bei dem ersten Festgenommenen handelt es sich laut Polizei um einen zuvor bereits identifizierten und namentlich genannten Tatverdächtigen, nach dem öffentlich gefahndet wurde, einen 38-jährigen Wildhändler aus dem Kreis Neunkirchen.

Die Polizei hatte am Tatort der getöteten Polizisten in der Pfalz Papiere eines Verdächtigen gefunden. Sie fahndete mit Hochdruck nach dem 38-Jährigen aus dem Saarland. Er stammt aus Spiesen-Elversberg im Kreis Neunkirchen, wie die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Kaiserslautern am Montagnachmittag, rund zwölf Stunden nach der Tat, mitteilten.

Nach Durchsuchung fand die Polizei Schusswaffen

Spezialkräfte durchsuchten am Nachmittag in der Sulzbacher Bahnhofstraße zwei Objekte. An einem Objekt stand nach SPIEGEL-Informationen das mit Einschusslöchern beschädigte Auto von Andreas S.

Vor einem der Objekte nahm die Polizei S. fest, teilte eine Sprecherin der Polizei dem SPIEGEL mit. In dem Objekt wurde anschließend der 32-jährige mutmaßliche Komplize festgenommen. Er ließ sich »widerstandslos« festnehmen, teilte die Polizei am Montagabend mit. Der Mann geriet unter anderem in Verdacht, weil er nach SPIEGEL-Informationen nach der Tat die Ehefrau von Andreas S. anrief, die die Anrufe allerdings nicht entgegennahm. Am Tatort wurde der Personalausweis von Andreas S. gefunden – womöglich, weil die Kontrollsituation schon weiter fortgeschritten war und der Ausweis herunterfiel.

Bei der Durchsuchung des Objekts wurden auch Schusswaffen gefunden, teilte eine Sprecherin dem SPIEGEL mit. Ob diese mit der Tat in Zusammenhang stehen, müsse aber noch geprüft werden. Der 38-jährige Mann werde am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt, hieß es. Bei dem 32-Jährigen müsse erst noch geklärt werden, ob und wenn ja inwiefern er an der Tat beteiligt war.

Die Polizei war zunächst von mehreren Tätern ausgegangen. Die getöteten Beamten hatten nach Angaben aus Sicherheitskreisen noch per Funk gemeldet: »Die schießen!«

Die 24 Jahre alte Polizistin und ihr 29 Jahre alter Kollege wurden bei einer Verkehrskontrolle am frühen Montagmorgen gegen 4.20 Uhr erschossen. Laut Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) wurden sie mit »größter Brutalität ermordet«. Bei der Suche nach dem nun namentlich identifizierten Tatverdächtigen setzte die Polizei Hubschrauber, Personenspürhunde und Spezialkräfte ein.

Bei der getöteten 24-Jährigen handelte es sich nach Angaben des Landesinnenministeriums um eine angehende Polizistin, die als Teil ihrer Ausbildung zur Kommissarin im praktischen Einsatz war. Innenminister Lewentz zeigte sich »sehr erschüttert«. Zu Einzelheiten sowie zum Tatgeschehen könne er sich jedoch erst äußern, wenn gesicherte Informationen vorlägen.

Bundesinnenministerin spricht von »Hinrichtung«

»Die Tat ist entsetzlich«, schrieb die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Onlinedienst Twitter. »Es bestürzt mich sehr, dass zwei junge Menschen im Dienst ihr Leben verloren haben.« Ihre Gedanken seien bei den Angehörigen sowie den Kolleginnen und Kollegen der Opfer.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach im Zusammenhang mit der Bluttat von einer »Hinrichtung«. »Unabhängig vom Motiv: Diese Tat erinnert an eine Hinrichtung und zeigt, dass Polizei jeden Tag Leben für unsere Sicherheit riskiert«, erklärte sie. »Wir werden alles tun, um die Täter dingfest zu machen.«

Saarlands Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) erklärte: »Die saarländische Polizei unterstützt die Dienststellen in Rheinland-Pfalz mit allen Mitteln bei der Aufklärung dieses furchtbaren Verbrechens.« Als Ausdruck der Trauer und Solidarität würden die Flaggen im Saarland auf halbmast gesetzt.

»Unabhängig von den Tatmotiven, zu denen man noch nichts sagen kann, ist klar, dass der Schutz unserer Polizistinnen und Polizisten unser aller Anliegen sein muss«, erklärte die neu gewählte Grünenvorsitzende Ricarda Lang.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich »tief erschüttert und voller Trauer«. »Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen und Liebsten der durch eine Gewalttat im Dienst verstorbenen Kollegen«, erklärte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek.

rol/mkl/ala/has/dpa