Auschwitz Britische Schüler stehlen im KZ - 240 Euro Strafe

Zwei britische Schüler ließen im Konzentrationslager Auschwitz Habseligkeiten ermordeter Häftlinge mitgehen. Ein Gericht verurteilte sie zu einer Geldbuße und einer Bewährungsstrafe.

Häftlinge in Auschwitz 1944: Einige ihrer Habseligkeiten liegen noch in den Baracken
AFP

Häftlinge in Auschwitz 1944: Einige ihrer Habseligkeiten liegen noch in den Baracken


Ein polnisches Gericht hat zwei 17 Jahre alte Briten zu einem Jahr Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von jeweils rund 240 Euro verurteilt. Die Polizei hatte die beiden Teenager im früheren Konzentrationslager Auschwitz festgenommen, weil sie dort historische Objekte gestohlen haben sollen.

Die Wachen hätten die beiden Briten gestoppt und entdeckt, dass sie Glasscherben, Knöpfe, Haarspangen und Metallstücke bei sich hatten, sagte ein Sprecher der Gedenkstätte. An der betroffenen Stelle hätten einst Baracken gestanden, in denen die persönlichen Gegenstände der Häftlinge aufbewahrt wurden. Bis heute würden dort Habseligkeiten der NS-Opfer gefunden, denn in der "Kanada"-Barack des Konzentrationslagers wurden die Wertgegenstände der registrierten Häftlinge gelagert.

Unklar ist, mit wie viel Eifer die Jugendlichen nach den Gegenständen Ausschau gehalten haben: Laut der Nachrichtenagentur AFP haben die beiden Schüler nach den Objekten gegraben. Der britische TV-Sender BBC berichtet lediglich davon, dass sie etwas vom Boden aufgehoben hätten.

"Die Schüler kooperierten mit den Beamten und gaben zu, die Gegenstände mitgenommen zu haben", sagte ein Sprecher der Schule der beiden Täter in Cambridge. "Ihr Vergehen tut ihnen sehr leid." Der Schulleiter versprach, das Geschehen aufarbeiten zu wollen. "Ich will von den Jungen selbst hören, was in sie gefahren ist, diese Sachen mitzunehmen", sagte er.

Die beiden Schüler sind glimpflich davongekommen. Nach polnischem Recht kann das Stehlen von Objekten von historischem Wert mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Laut BBC passiert es ein bis zwei Mal im Jahr, dass Besucher etwas mitnehmen - trotz der Verbotsschilder.

Im Jahr 2009 entfernten Diebe sogar das Schild mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" vom Eingang des Lagers. Der Schriftzug wurde später - in mehrere Teile zerlegt - gefunden und wieder zusammengeschweißt. Der Auftraggeber dieses Diebstahls, der schwedische Neonazi Anders Högström, wurde zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt.

Das im Südosten Polens gelegene Lager Auschwitz ist zum Symbol der NS-Vernichtungsmaschinerie geworden. Es war das größte deutsche Todeslager. Mindestens 1,1 Millionen vor allem jüdische Häftlinge wurden hier ermordet. Die Gedenkstätte zählt jedes Jahr mehr als eine Million Besucher aus aller Welt.

kbl/AFP/dpa

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