KZ Majdanek Früherer SS-Wachmann muss nicht vor Gericht

Als SS-Mann soll er das KZ Majdanek bewacht - und von Massentötungen gewusst haben. Nun hat das Frankfurter Landgericht mitgeteilt: Es wird doch keinen Prozess gegen einen 97-Jährigen geben.

Frankfurter Landgericht (Archiv)
DPA

Frankfurter Landgericht (Archiv)


Ein 97 Jahre alter ehemaliger KZ-Wachmann muss sich für seine Taten nicht vor Gericht verantworten. Das teilte das Frankfurter Landgericht mit. Das Hauptverfahren werde nicht eröffnet, da der Mann wegen Krankheit nicht verhandlungsfähig sei.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hatte im August 2017 Anklage gegen den Mann erhoben. Ihm wurde Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Der damals 22 Jahre alte Beschuldigte verrichtete laut Anklage zwischen August 1943 und Januar 1944 als Angehöriger der fünften Kompanie des SS-Totenkopfsturmbanns regelmäßig Wachdienst in Majdanek im besetzten Polen. Dabei soll er mit der Sicherung des Lagers und der Bewachung der zur Tötung bestimmten Gefangenen befasst gewesen sein.

Im Einzelnen wurde dem 97-Jährigen vorgeworfen, am 3. November 1943 die sogenannte "Aktion Erntefest" unterstützt zu haben, bei der mindestens 17.000 deportierte jüdische Gefangene in dem Konzentrationslager in eigens ausgehobenen Gräben erschossen wurden. Mit seiner Tätigkeit als Teil einer Postenkette sowie als Turmwache soll er dazu einen Beitrag geleistet und die heimtückischen und grausamen Taten wissentlich und willentlich gefördert haben.

Gefahr für Leib und Leben

Der Entscheidung, kein Verfahren zu eröffnen, sei eine umfassende medizinische Begutachtung vorausgegangen, teilte das Gericht nun mit. Ein Gutachter sei zu dem Ergebnis gekommen, dass durch einen Prozess "erhebliche Gefahr" für "Leib und Leben" des Mannes bestehen würde. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, Staatsanwaltschaft und Nebenklage können Beschwerde einlegen.

2015 war in Lüneburg der "Auschwitz-Buchhalter" Oskar Gröning schuldig gesprochen worden, obwohl er niemanden selbst tötete. Dieses Urteil wurde 2016 in einer historischen Entscheidung Ende 2016 vom Bundesgerichtshof bestätigt. Dort wurde der Tatbestand der Beihilfe weiter verstanden.

jpz

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.