Angeklagte Sekretärin eines KZ-Kommandanten Die Verhandlungsfähigkeit der Irmgard Furchner

Die Sekretärin des Kommandanten im KZ Stutthof gilt nach SPIEGEL-Informationen als verhandlungsfähig. Nun könnte es zum Prozess gegen die 96-Jährige kommen – wegen Beihilfe zum Mord in 11.412 Fällen.
Gaskammer in Gedenkstätte KZ Stutthof: Konnte die Sekretärin Irmgard Furchner sehen, wie die Frauen dorthin geführt wurden?

Gaskammer in Gedenkstätte KZ Stutthof: Konnte die Sekretärin Irmgard Furchner sehen, wie die Frauen dorthin geführt wurden?

Foto: Bruce Adams / Getty Images

Knapp zwei Jahre lang, von 1943 bis 1945, saß Irmgard Furchner als Erste Stenotypistin und Sekretärin an einem Schreibtisch in der Kommandantur des Konzentrationslagers Stutthof, Abteilung 1. Sie war damals 18, 19 Jahre alt, inzwischen ist sie 96. Staatsanwältin Maxi Wantzen hat die Rentnerin angeklagt , in 11.412 Fällen Beihilfe zum heimtückischen und grausamen Mord, in 18 weiteren Fällen Beihilfe zum versuchten Mord geleistet zu haben.

Nun könnte sich Irmgard Furchner bald vor Gericht verantworten müssen. Dem Landgericht Itzehoe liegt nach SPIEGEL-Informationen inzwischen das Gutachten zur Verhandlungsfähigkeit der hochbetagten Angeklagten vor. Es ist das zweite.

Das erste Gutachten einer Ärztin des Gesundheitsamts des Landkreises Pinneberg bescheinigte der Rentnerin Herzkrankheiten, die eine Verhandlungsfähigkeit der hochbetagten Angeklagten ausschlossen. Der Vorsitzende Richter beauftragte daraufhin einen Facharzt mit einer Begutachtung. Bis Anfang Juli will die Kammer nun entscheiden, ob sie das Hauptverfahren und die Nebenklagen zulässt.

In dem Verfahren wird es um die Frage gehen: Wie viel hat eine Frau, die das Lager nie betreten hat, hinter dem Schreibtisch von dem Morden mitbekommen?

Vom 1. Juni 1943 bis zum 1. April 1945 notierte Irmgard Furchner das, was SS-Sturmbannführer Paul Werner Hoppe ihr zurief und diktierte. Als Lagerkommandant verfasste Hoppe Exekutionsbefehle, Deportationslisten für die Züge nach Auschwitz und Anweisungen zu Massentötungen durch Giftgas. Irmgard Furchner gab seine Kommandos weiter in Form von Schreiben, Fernschreiben oder Funksprüchen .

Die Nationalsozialisten errichteten das Lager Stutthof in der Nähe Danzigs als Internierungslager für mehr als 100.000 Juden und politische Gegner. Mindestens 65.000 Menschen wurden ermordet, erschossen, erhängt, vergast, zu Tode gefoltert. Sie erfroren, verhungerten, arbeiteten sich zu Tode. Sie starben aufgrund der hygienischen Zustände an Epidemien.

jjc
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