Bezirk Los Angeles Sheriff gibt tödliche Schüsse auf Unschuldigen zu

Ein Mitarbeiter des Sheriffs im Bezirk Los Angeles hat einen zu Unrecht verdächtigten unbewaffneten Schwarzen erschossen. Die Behörden haben den tödlichen Fehler zugegeben - an einem symbolträchtigen Tag.

Donnell Thompsons Familienangehörige
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Donnell Thompsons Familienangehörige


Donnell Thompson starb, weil Mitarbeiter des Sheriffs im Bezirk Los Angeles ihn für einen Autoknacker hielten. Der 27-Jährige wurde am frühen Morgen des 28. Juli aus kurzer Distanz erschossen. Das hat das Büro des Sheriffs mitgeteilt. Erneut steht damit der Einsatz von Schusswaffen und das Verhältnis der Sicherheitskräfte zu Schwarzen im Fokus - Thompson war Afroamerikaner.

Es gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Thompson etwas mit aufgebrochenen Autos zu tun gehabt habe, sagte ein Sprecher. Man verstehe die Wut der Angehörigen und wolle ebenso wie sie Antworten. Ob die Hinterbliebenen das glauben, ist fraglich.

Sie sind überzeugt, dass Sheriff-Mitarbeiter durch die Suche nach dem tatsächlichen Autoknacker - bei der Verfolgung des Mannes waren Schüsse gefallen - aufgestachelt waren und Thompsons Hautfarbe eine Rolle spielte. Seine Schwester Matrice Stanley beschrieb ihren Bruder als geistig beeinträchtigt, weichherzig, zurückhaltend. "Er hätte keiner Fliege etwas zu Leide getan", sagte sie. So, wie die Polizei mit ihm umgegangen sei, "würde ich nicht mal ein Tier behandeln".

Schütze in den Innendienst versetzt

Laut Sheriff-Büro hielt sich Thompson in einem Vorgarten auf. Zwei gepanzerte Fahrzeuge seien dorthin gefahren. Thompson habe nicht auf Anweisungen reagiert, nicht einmal auf den Beschuss mit Gummigeschossen. Plötzlich sei Thompson von allein aufgestanden und auf die Fahrzeuge zugerannt. Man habe Angst gehabt, dass er das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnen könnte, die hinter den Fahrzeugen in Deckung waren. Ein Mitarbeiter des Sheriffs mit 20 Jahren Berufserfahrung gab die Schüsse ab. Er wurde in den Innendienst versetzt.

Weder bei Thompson noch in dem Vorgarten wurde eine Waffe gefunden. Keine der Einsatzkräfte habe Körperkameras getragen, sagte der Sprecher. Aber offenbar hat ein Nachbar ein Video aufgenommen; die Anwälte der Hinterbliebenen erwägen, es zu veröffentlichen.

Das Eingeständnis, einen Unschuldigen erschossen zu haben, kommt an einem symbolisch aufgeladenen Datum: Vor exakt zwei Jahren, am 9. August 2014, wurde in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri der Schwarze Michael Brown von einem Polizisten erschossen. Der Mann wurde nie angeklagt, es hieß, er habe in Notwehr gehandelt.

Schüsse bei Gedenkveranstaltung für Michael Brown

Brown war unbewaffnet, sein Tod löste landesweit Proteste und vielerorts Randale aus und war ein Ausgangspunkt der "Black Lives Matter"-Bewegung. Eine Analyse des US-Justizministeriums ergab, dass es in der Polizei und den Gerichten von Ferguson ein Muster rassistischer Vorurteile gab. Die Stadt verpflichtete sich, Abhilfe zu schaffen.

Seither hat es eine Vielzahl vergleichbarer Fälle gegeben, einige davon wurden auf Video aufgenommen - etwa in Minnesota, Illinois und South Carolina. So verfestigt sich das Bild einer Polizei, die zu schnell schießt - und von deren aggressiven Taktiken vor allem gesellschaftliche Minderheiten in sozial schwachen Vierteln betroffen sind.

Bei einer Demonstration zum zweiten Todestag Browns fielen am Dienstagabend Schüsse. Zeugenaussagen zufolge fuhr ein Auto durch eine Gruppe Demonstranten und traf einen jungen Mann so hart, dass er durch die Luft flog. Als sich der Wagen entfernte, seien Schüsse zu hören gewesen. Verletzt wurde offenbar niemand.

Zuvor hatte Browns Vater bei einer Gedenkveranstaltung gesprochen. Es sei ein trauriger Tag für ihn, seine Familie und die Welt, sagte Brown senior. In Anspielung auf die Hautfarbe seines Sohnes sagte er: "Diese Farbe ist keine Krankheit. Diese Farbe ist wunderschön. Schwarz ist wunderschön."

ulz/AP



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