Seilbahnunglück in Italien Technischer Leiter will nichts von Manipulationen gewusst haben

Vor dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore mit 14 Toten wurde offenbar das Notbremssystem außer Kraft gesetzt. Der technische Leiter der Seilbahn war daran aber nach eigener Aussage nicht beteiligt.
Helfer an der abgestürzten Gondel (am 23. Mai): Wer wusste von den Klammern an der Kabine?

Helfer an der abgestürzten Gondel (am 23. Mai): Wer wusste von den Klammern an der Kabine?

Foto: Uncredited / dpa

Nach dem tödlichen Seilbahnunglück am Monte Mottarone in Norditalien dauern die Ermittlungen an. Zwei von drei festgenommenen Männern sind mittlerweile wieder frei. Einer von ihnen hat nun beteuert, nichts von den Klammern an der Kabine gewusst zu haben. Mit diesen wurde ersten Erkenntnissen zufolge das Notbremssystem der Gondel außer Kraft gesetzt, weil es zuvor wohl Störungen im laufenden Betrieb gegeben hatte.

»Wenn ich davon gewusst hätte, hätte ich diese Entscheidung nicht unterstützt«, sagte der technische Leiter der Betreiberfirma, Enrico Perocchio, im Interview der italienischen Tageszeitung »La Stampa« .

Die Justiz hatte Perocchio und Geschäftsführer Luigi Nerini wieder aus der Haft entlassen. Ein Dienstleiter steht weiterhin unter Hausarrest. Perocchio sagte der Zeitung, alle Wartungen an der Seilbahn seien gemacht worden und in Ordnung gewesen. Es sei ein Fehler gewesen, mit den Klammern ein Problem zu umgehen, das man hätte lösen können. Es hätte gereicht, den Betrieb dafür ein oder zwei Tage auszusetzen.

Vor wenigen Tagen hatte die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, die drei festgenommenen Männer hätten Manipulationen an der Bahn eingestanden. Ansa berief sich auf Angaben eines leitenden Carabiniere aus Verbania, Alberto Cicognani.

Am Sonntag vor einer Woche hatten 14 Menschen ihr Leben verloren als am Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore in der norditalienischen Region Piemont das Zugseil der Seilbahn riss und die Gondel talwärts abstürzte und zerschellte. Die Notbremse, die in diesem Moment am Tragseil hätte greifen müssen, war den Ermittlungen zufolge mit den Klammern deaktiviert worden. Nur ein kleiner Junge überlebte.

Die Justiz will in weiteren Untersuchungen klären, warum das Zugseil riss und wer noch von den Klammern wusste. Diese dürfen nur bei Wartungsarbeiten eingesetzt werden.

ptz/dpa